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Schitouren im Valle Maira, Piemont

11. bis 14.03.2010
ein Bericht von Polizeibergführer Christoph Gargitter, unterwegs mit Freunden

Auf der Suche nach einem nicht alltäglichen Tourenziel bin ich auf das Schitouren-Eldorado Valle Maira im südlichen Piemont gestoßen. Im Schitourenführer von Bruno Rosano ‚Charamaio en Val Mairo‘ sind über 100 Schitouren, von einfach bis extrem, in Höhenlagen bis knapp über 3000 Meter beschrieben.

Leider ist der Schitourenführer nur auf Italienisch erhältlich. Es gibt zwar eine englische Übersetzung, die aber recht spärlich sein soll. Mit der Wanderkarte Valle Maira im Maßstab 1:25.000, den tollen Fotos und den Kartenskizzen im Führer kommt man aber gut zurecht. Erhältlich sind der Führer und die Karte bei der Schweizer Online-Buchhandlung Piz Buch & Berg www.pizbube.ch.

Die Tage vor der geplanten Tour beobachte ich die Wetterentwicklung und den Lawinenlagebericht für die Region. Ein Italientief soll bis Wochenmitte im Süden reichlich Neuschnee bis in tiefe Lagen bringen.

Der Lawinenlagebericht bringt für diesen Teil der Cottischen Alpen die Stufe groß. Der Wetterbericht sagt ab Donnerstag strahlenden Sonnenschein bis über das Wochenende voraus. Gute Aussichten, vielleicht mit eingeschränkten Tourenmöglichkeiten aufgrund der großen Lawinengefahr.

Bei unserer Abfahrt in Dornbirn schneit es. Leichter Schneefall begleitet uns bis auf die Alpensüdseite. Sogar in der Po-Ebene liegt Schnee. Vor Turin warnt uns das Navi vor schneebedingten Verkehrsbehinderungen. Die Straßen sind aber trocken und wir kommen gut voran. Zum Glück sind die italienischen Verkehrsinfos nicht auf dem neusten Stand.

Nach Turin reißt die Wolkendecke auf. Von weitem sind im strahlenden Sonnenschein die tief verschneiten piemonteser Berge zu sehen, besonders markant, die frei stehende Pyramide des Monte Viso (3841 m).

Im Val Maira wird’s noch mal spannend. Schneeketten montieren oder nicht. Es geht ohne und wir erreichen nach sieben Stunden Fahrt den kleinen Ort Marmora-Vernetti in einem Seitental des Valle Maira. In der gemütlichen Pensione Ceaglio (€ 60,--inkl. HP) werden wir von den Wirtsleuten freundlich empfangen.

Beim Übersetzen hilft Peter Vogt, ein Schweizer Pensionär und Freund des Hauses, der auch die deutschsprachige Homepage www.ceaglio-vallemaira.it betreut.

 

Costa Chiggia (2156 m, 630 HM, 1,5 Std)

Nach einer Portion Pasta geht es los zu einer Eingehtour auf den ‚Hausgipfel‘, die Costa Chiggia (2156 m). Ausgangspunkt für diese Spritztour ist der Weiler Parrocchia (1546 m). Der Weg führt entlang eines Fahrweges, durch lichten Lärchenwald und dann über freie, mäßig steile Hänge auf den höchsten Punkt eines langgezogenen Kammes.

Bei einer Rast genießen wir die Aussicht und staunen über die zahlreichen Tourenmöglichkeiten. Im Valle Maira liegt reichlich Schnee, auf 1500 Meter ca. 1,5 Meter. In den zwei Tagen zuvor sind bei wenig Wind ca. 60 cm Neuschnee gefallen. Trotz Stufe 4 sind rundum keinerlei spontane Lawinenabgänge zu beobachten.

Die Gefahrenstufe scheint also etwas hoch gegriffen zu sein. Die Tourenverhältnisse für die nächsten Tage versprechen gut zu werden.

Nach einem vorzüglichen 7-gängigen regionalen Abendessen und einem ‚Blick‘ in die Weinkarte lassen wir den Tag ausklingen.

 

Punta Tempesta (2679 m) und Punta la Piovosa (2602 m), 1160 HM + 300 HM, 4,5 Std

Nach einem italien-untypisch reichhaltigen Frühstück fahren wir auf schmaler Bergstraße in den drei Km entfernen Weiler Tolosano. Unser Ziel ist die Punta la Piovosa. Der kleine Parkplatz am Eingang des verlassenen Weilers ist bereits gut besetzt. Wir folgen flach taleinwärts bequem einer frischen Aufstiegsspur und schließen bei der Alpe Grange della Pieccia auf eine große Tourengruppe aus der französischen Schweiz auf.

Bei einer Rast und einem Blick in die Karte merken wir, dass die Spur, der wir gefolgt sind, nicht auf unseren geplanten Gipfel, sondern auf den etwas höheren Nachbargipfel Punta Tempesta (2679 m) führt. Wir übernehmen die Spurarbeit über perfektes Schigelände und erreichen nach 3,5 Std den aussichtsreichen Gipfel.

Nach kurzer Rast fahren wir in perfektem Pulver nach Westen zu Punkt 2323 oberhalb Grangia dell Oliveto ab und steigen über den mäßig steilen Südwesthang auf die Punta la Piovosa auf. Auf dem Gipfel ist es recht windig, weshalb wir auf den Genuss der von Ronnie mitgeschleppten Flasche Vino Bianco verzichten und in super Pulver über den Canale NO (Achtung! O bedeutet auf Italienisch Ovest, also West, E bedeute Est, also Ost) nach Tolosano abfahren.

Zurück in Marmora statten wir der Osteria Croce Bianca einen Besuch ab. Wir genießen in der Sonne unser Bierchen und zu jeder Runde serviert der freundliche Wirt einen kleinen Imbiss. Die Osteria bietet sich auch als alternative Übernachtungsmöglichkeit zur beliebten Pensione Ceaglio an. Die Übernachtung in der liebevoll renovierten Osteria kostet inkl. Halbpension € 60,--.

 

Monte Bodoira (2747 m, 1200 HM, 4,5 Std)

Für Tag 3 haben wir uns den Monte Bodoira als Tourenziel vorgenommen. Seine Nordhänge versprechen trotz kräftiger Märzensonne noch ausgezeichneten Pulverschnee. Dazu fahren wir in den fünf Kilometer entfernten Weiler Preit (1541 m). Entlang eines Fahrweges steigen wir nach Grangia Culausa (1910 m) auf. Über einen kleinen Pass (Punkt 2147) gelangen wir in einen weitläufigen Talkessel südlich des markanten Rocca la Meja (2831 m).

Beim Aufstieg über wundbares Schigelände stoßen wir am Colle Salsa Blancias (2447 m) auf eine abenteuerlich angelegte Militärstraße. Beim Blick in die Karte wird klar, dass das ganze Gebiet von einem dichten Netz von ehemaligen Militärstraßen durchzogen ist, einem Paradies für Mountainbiker.

Vom Gipfel des Monte Bodoira (2747 m) genießen wir bei einem Liter Vino Bianca (derjenige mit den vielen Höhenmetern vom Vortag) den Tiefblick in das Val Stura mit seinen ebenfalls zahlreichen Schitourenmöglichkeiten.

Anschließend fahren wir bei bestem Pulver über endlose Hänge nordwestlich Richtung Grangia Ciampasso ab. Nach einer kurzen Gegensteigung zurück zum Übergang bei Punkt 2147 geht’s weiter zum Ausgangspunkt, Pulver bis zum letzten Meter.

Zum Abschluss kehren wir in der liebevoll renovierten Locanda Marsha Papaja in Preit ein. Die deutsch sprechende Wirtin serviert uns Franziskaner Weizenbier, Espresso und Grappa Barbaresco.

 

Bric Boscasso (2589 m, 1050 HM, 3 Std)

Für Sonntag rät uns Peter Vogt, der Freund des Hauses, zu einem frühen Aufbruch, da ein großer Ansturm von einheimischen Tourengehern zu erwarten sei und die Parkmöglichkeiten an den Ausgangspunkten nur beschränkt sind.

Wir fahren von Marmora nach Acceglio, dem Hauptort des Val Maira. Am Ortseingang zweigt die Straße in das Seitental nach Chialvetta (1494 m) ab. Der große Parkplatz ist bereits fast voll. Unser (aller) Ziel ist der Bric Boscasso.

Auf steiler Spur durch lichten Lärchenwald steigen wir Richtung Grangia Boscasso auf, überholt von sportlich-hektischen Italienern in Rennkleidung. Trotz gemütlichem Tempo erreichen wir nur unwesentlich später den wunderschönen Gipfel des Bric Boscasso (2589 m).

Nach der Gipfelrast mit Blick auf die Spuren des Vortages fahren wir bei schönem Pulver über die markante Mulde des Cumbal Vallonetto zurück zum verlassenen Weiler Pratorotondo und weiter nach Chialvetta.

Auf halber Strecke sticht uns der Aufstieg auf den Monte Cassorso ins Auge. Er führ t über die markante Mulde ‚Cumbal Cassorso‘ auf den 2776 m hohen Gipfel. Im Gegensatz zum vielbesuchten Nachbargipfel wären wir auf diesem tollen Berg mit seinen nordwestseitigen Traumhängen alleine gewesen. Schade, dann halt beim nächsten Besuch im Val Maira.

 

Auf Wiedersehen

Das Valle Maira ist in jedem Fall einen weiteren Besuch wert. Das Tal bietet eine riesige Auswahl an Touren in allen Hangrichtungen, je nach Verhältnissen für Firn oder Pulver, in jedem Schwierigkeitsgrad und vor allem auch für Schlechtwettertage, da die bis in ca. 2100 Höhe reichenden, lichten Lärchenwälder auch bei schlechter Sicht Orientierung bieten.

Zentraler Ausgangspunkt für Touren im Tal ist sicher Acceglio. Wesentlich rustikaler und ruhiger wohnt es sich aber in den kleinen Seitentälern wie z.B. in Marmora oder Chialvetta. Von einem Südtiroler Bergführer empfohlen wurde uns noch die Locanda Mistral in Ponte Maira - www.damistral.it.

Und noch was zur Anreise: Das Valle Maira ist von West- und Südösterreich recht schnell erreichbar, von Innsbruck in knapp 7 Std, von Villach in 7,5 Std. Also, nichts wie hin.

Und hier geht’s zum Fotoalbum (Picasa-Webalbum).

Christoph Gargitter
Obmann des ÖBPV

 

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