Home Verband Links Aktuelles Sponsoren News

News

Bericht Peru

Am 6. Juli 2010 brachen wir drei Polizeibergführer, Sepp Bierbaumer, Horst Wohlgemuth und Gerhard Mandl, gemeinsam mit dem Sohn von Sepp, Gerhard Bierbaumer, und unseren Freunden Christian Arnusch und Andreas Schwarz mit seiner Freundin Sissi Wutte, zu einem Bergabenteuer nach Peru auf.

Gut gelaunt ging es per Flugzeug von München mit zwei Zwischenlandungen (Frankfurt und San Paulo) nach Lima. Nach dem langen Flug über den großen Teich folgte ein Kurzaufenthalt in der Hauptstadt von Peru und anschließend ging es per Bus in einer 10-stündigen Fahrt nach Huaraz. Von dieser schönen Andenstadt aus absolvierten wir in den darauffolgenden Tagen unsere erste Akklimatisationstour, mit einer Bergwanderung zur 4500m hoch gelegenen Laguna Churup. Weiters organisierten wir für das kommende Bergabenteuer unsere Eseltreiber sowie einen Koch.

Am 12. Juli ging’s dann endlich los ins Gebirge. Mit insgesamt 14 Stück Burros (Esel) und unserem peruanischen Koch Huakim marschierten wir durch das eher wenig begangene, weitläufige Alpamayotal. Nach zwei Tagen bzw. ca. 50 km und 2500 Höhenmeter erreichten wir das Basislager auf 4500 m an der Nordseite des weltbekannten Gipfel Alpamayo. Am darauffolgenden Tag stiegen wir mit schwerem Gepäck durch teilweise wegloses Gelände und einigen Kletterstellen zum Moränenlager auf 5000 m auf. Beim ersten Anblick des Gletscherbruches unterhalb des Alpamayos war uns klar, dass ein Durchstieg durch diesen unmöglich war. Am Morgen des nächsten Tages konnten wir im Zuge einer kurzen Erkundungstour eine mögliche Aufstiegsvariante zum Gletscherboden unterhalb des Quitaraju ausmachen. Nachdem wir unsere Kletter- und Kochausrüstung in einem Zelt im Moränencamp deponierten, stiegen wir wieder ins Basislager ab um den ersten Rasttag zu genießen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Wetterverhältnisse sehr wechselhaft. Von Sonnenschein bis Regen und Schneefall hatten die Anden alles zu bieten. Nach dem Ruhetag stiegen wir neuerlich in das Moränenlager auf, um von dort am nächsten Tag den ersten 6.000er Gipfel in Angriff zu nehmen.

Es standen 1.000 Höhenmeter im Aufstieg vor uns, und so starteten wir um 04:30 Uhr bei Stirnlampenlicht in Richtung Quitaraju. Bei Gerhard und Sissi traten schon während der Nacht gesundheitliche Probleme auf. Da sich der Gesundheitszustand von Gerhard verschlechterte, musste er mit seinem Vater und Seilpartner am Beginn des Gletscherbodens umkehren. Noch am selben Tag stiegen die beiden Bergkameraden ins Basislager ab, damit sich Gerhard für die nächsten anstrengenden Tage etwas erholen konnte. Sissi konnte ihren Partner Andy noch bis zum Einstieg des Quitaraju begleiten, wo sie ebenfalls aus gesundheitlichen Gründen einen weiteren Aufstieg nicht vornahm. Zu viert kletterten wir dann über den steilen Bergschrund in Zweierseilschaften in Richtung Gipfel. Wunderschönes Wetter und tolle Firn und Eisverhältnisse über die ca 55° steile Flanke bescherten uns an diesem Tag einen wunderbaren Gipfelerfolg.

Während des Aufstieges wurde mehrmals der Nachbarberg Alpamayo in Augenschein genommen. Zu diesem Zeitpunkt waren ca. 20 Zelte im Hochlager des Alpamayo aufgeschlagen und in der Eisrinne der Franzosenroute tummelten sich mehrere Seilschaften. Um 14.00 Uhr erreichten wir dann den Gipfel des Quitaraju. Anschließend seilten wir über die Aufstiegsroute ab und begannen mit dem langen Rückmarsch ins Moränencamp. Nach insgesamt fast 15 Stunden Gesamtzeit erreichten wir nach Einbruch der Dunkelheit wieder unsere Zelte. Am nächsten Morgen stiegen wir sogleich ins Basislager ab. Nachdem unsere Gruppe wieder vollzählig war, entschlossen wir noch am selben Tag mit dem Rückmarsch zu beginnen. Nach drei Tagen erreichten wir wieder die Stadt Huaraz, wo wir schon unsere nächsten Tourenziele planten. In Huaraz erzählte man uns, dass es gleichzeitig mit unserem Abstieg vom Basislager einen schweren Unfall am Alpamayo gegeben hatte. Ein solo kletternder Argentinier stürzte kurz unterhalb des Gipfels in der steilen Eisrinne ab. Dabei prallte dessen Körper gegen einen aufsteigenden Bergsteiger. Dieser wurde dabei schwer verletzt. Der Argentinier erlitt beim Absturz tödliche Verletzungen. Erst später erfuhren wir, dass es sich beim Schwerverletzten um Andreas S. einem Polizeibergführerkollegen aus Salzburg handelte. Andreas musste am Landwege bis Huaraz transportiert werden, da eine Hubschrauberbergung aufgrund der Höhe und mangelnder Infrastruktur nicht möglich war. Zum Glück geht es ihm heute wieder gut.

Trotz dieser Schreckensmeldung entschlossen sich 5 Leute unserer Expeditionsgruppe den Alpamayo vom Santa Cruz Tal in Angriff zu nehmen. Sepp mit seinem Sohn Gerhard plante den Aufstieg auf den 6.300 m hohen Chopikalki. Sie wollten somit den Spuren des Vaters von Sepp bzw Großvaters von Gerhard folgen.

Nach ein paar Tagen Rast in Huaraz startete unsere Gruppe gemeinsam wieder in Richtung Norden um die geplanten Gipfel ins Visier zu nehmen. Nachdem Sepp und sein Sohn Gerhard in Richtung Chopikalki losmarschierten und bereits die ersten Steilaufschwünge im Gletscher hinter sich hatten, wanderte die 5er-Gruppe durch das schöne Santa-Cruz Tal in zwei Tagen bis zum Moränencamp oberhalb des Basislagers am Fuße des Alpamayos. Vom Moränencamp ging es dann über den Gletscher bis nach einem steilen Aufschwung über eine Eisrinne, bis das Hochlager direkt unterhalb der Südwestwand erreicht wurde. Zu unserem Erstaunen konnten wir nur zwei Zelte vorfinden und eine Seilschaft beim Abseilen unterhalb des Gipfels beobachten.

Die Freude war ersichtlich groß, da wir bei dem am nächsten Tag geplanten Gipfelversuch sicher sein konnten, alleine die steile Eisrinne für uns zu beanspruchen.

Während wir den Aufstieg zum Hochlager vornahmen, feierten unsere Bergkameraden Sepp und Gerhard bereits einen 6.000er Gipfelerfolg. Wunderschönes Wetter und ausgezeichnete Eisverhältnisse erlaubten ihnen am Westgrat des Chopicalqui ein schnelles Vorwärtskommen. Die Schwierigkeiten dieses Normalweges haben allerdings zugenommen, denn insgesamt waren 3 Seillängen bis zu 70 Grad und zwei kurze, aber nahezu senkrechte Stellen zu überwinden. Nach 4 Stunden und 40 Minuten erreichte die Vater-Sohn Seilschaft Bierbaumer jenen Gipfel, auf dem 29 Jahre zuvor auch der Großvater erfolgreich war. Noch am selben Tag stiegen sie überglücklich die 2000 Höhenmeter bis ins Basislager ab.

Für unsere Mannschaft am Alpamayo zeichnete sich jedoch bereits in der Früh eine Wetterverschlechterung ab. Eine dichte Nebelschicht hüllte das Hochlager ein, weshalb an einen Aufstieg am frühen Morgen nicht zu denken war. Unfreiwillig zogen wir uns wieder in die Zelte zurück und starteten jedoch gegen Mittag nach leichter Besserung der Sichtverhältnisse einen Gipfelversuch.

Nachdem der leicht überhängende Bergschrund bewältigt wurde, konnten uns die perfekten Eis- und immer besser werdenden Sichtverhältnisse nicht mehr aufhalten. So stand unsere gesamte Gruppe am späten Nachmittag gemeinsam am Gipfel und konnte sich über den gelungenen Aufstieg sichtlich erfreuen.

Nach einer kurzen Gipfelrast seilten wir über die Aufstiegsroute ab. Am Bergschrund angekommen, überquerten wir im Lichtschein unserer Stirnlampen den Gletscherboden bis zu unserem Hochlager und nach einer heißen Suppe krochen wir sofort in unsere Zelte, um für die bevorstehende sehr kalten Nacht den Schlafsack anzuwärmen. Am nächsten Tag packten wir langsam unsere Rucksäcke und marschierten zufrieden in einem 2-Tagesmarsch wieder zurück zum Ausgangspunkt Cashapamba. Während dieser Zeit erreichten unsere Bergkameraden Sepp und Gerhard wieder Huaraz und konnten nach einem Rasttag noch eines „Drauflegen“. Per Bus ging es in die Cordillera Negra und mit herrlichem Blick in die Cordillera Blanca, begann eine rasante Abfahrt mit dem Mountainbike über 2000 Höhenmeter zurück ins Santatal.

Nachdem sich unsere Expeditionsgruppe wieder vollzählig in Huaraz traf, wurde noch gebührend gefeiert und so manche nächtliche Stunde in der „TAMBOBAR“ verbracht. Auch beim großen Nationalfeiertagfest in Huaraz waren wir dabei und konnten so manche Schnappschüsse mit unseren Kameras einfangen.

Am 03. August konnten uns die Angehörigen wieder gesund und munter am Flughafen in München empfangen.

Impressionen


Abseilen Alpamayo mit Tiefblick ins Hochlager


Alpamayo


Ausstiegsseillänge Quitaraju


Bergschrund Quitaraju


Chopikalki


Die letzte Seillänge am Alpamayo


Gipfelseillänge Chopikalki


Gipfelsieg Alpamayo


Hochlager Chopikalki


Quitaraju


Stadt Huaraz mit Blick zum Huascaràn


Wunderbare Pflanzenwelt (Puya raimondii)

 

Horst Wohlgemuth

zurück zur Übersicht

Europäischer PolizeibergführerverbandÖsterreichischer PolizeibergführerverbandDeutscher PolizeibergführerverbandSchweizer PolizeibergführerverbandLogin

© Österreichischer Polizeibergführerverband - 2012