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Cholatse - Der Bericht
Im September 2009 habe ich mich entschlossen, der Einladung meines früheren AEG-Leiters zu folgen und somit meine ersten Gehversuche in Sachen Höhenbergsteigen zu wagen. Die Rede ist von einem vierwöchigen Trekking in Nepal, verbunden mit dem Versuch der Besteigung des 6440m hohen Jobo Lapsan (Cholatse) im Solo Khumbu – Khumbu Himal.
Bei der Bergführerausbildung am Taschach Haus hat Stefan Jungmann einen Vortrag über seine Cholatse Expedition 2008 gehalten; hier wurde mein Interesse für ein Himalaya- abenteuer geweckt. Den letztlichen Anstoß habe ich dann von Roland bekommen, als er Details der Reise und seine Eindrücke aus Nepal schilderte.
Mit den Worten „mach dir keine zu großen Erwartungen, es kann, muss aber nicht funktionieren“ hat Roland in seiner bekannten direkten Art es gleich auf den Punkt gebracht. Höhenbergsteigen hat mit Alpinismus, wie wir ihn im Alpenraum kennen, nicht viel gemeinsam. Technik und Kondition vorhanden - Faktor X war jedoch die Höhe. Da es für mich die erste Bergfahrt in extreme Höhen werden sollte, musste ich mit dieser Ungewissheit einfach klar kommen.
Am 07. November 2009 war es dann so weit. Nach einigen Telefonaten, Meetings und Erledigungen standen wir in München vor dem Schalter der Qatar-Air. Alle samt bepackt mit Ruck- und Seesack, hoffend, dass die Pack-Taktik richtig war. Roland Mattle mit seiner Frau Rita, Christian Mattle – Sohn von Roland und Rita – mit seiner Freundin Sandra, Manfred Kessler und meine Wenigkeit.
Während unseres Aufenthaltes in Doha haben wir unseren Kollegen Herbert Wolf, der gerade von einem Trekking im Manaslugebiet kam, getroffen. Wie klein ist doch die Welt.
Am Flughafen von Kathmandu wurden wir von Min Dhan Rai gebührend empfangen. Es folgte ein weiterer Tag in der Stadt. Rita Didi fungierte als Reiseleiterin, während Roland und Manfred das Materiallager plünderten. Auf Grund eines anstehenden, landesweiten Streiks, der unseren Weiterflug nach Lukla möglicher weise verhindern konnte, begaben wir uns um 04.30 Uhr zum Flughafen, um noch vor dem Streik die Stadt verlassen zu können.
Nach einer abenteuerlichen Landung auf der Landebahn in Lukla (2800) und einem kurzen Frühstück in der Himalaya Lodge geht es endlich in Richtung Solo Khumbu. Während die Tragtiere noch beladen werden, sind wir schon auf dem Weg. Es dauert aber nicht lange, bis wir von unseren Trägern mit der „Küche“ überholt werden.
Ich für mich bereit, die Landschaften des Solo Khumbu in der Himalaya Region zu durchwandern, war sehr froh, höhenbergsteigerisches Urgestein dabei zu haben. Roland war schon auf einigen Bergen als Schneeverdichter unterwegs (18. Mal in Nepal) und Manfred hatte unter anderem am Pumori seine Erfahrungen gemacht.
Obwohl sich bald eine Art Routine im Tagesablauf einstellt, ist es mit Worten nicht möglich, die Eindrücke und Emotionen die man er- und durchlebt zu beschreiben.
Ungewollt wird mir die Ehre zu teil, das Lazarett zu eröffnen. Schon am 3. Tag unseres Trekkings, in Namche Basar (3440) habe ich einen grippalen Infekt, welcher mich zwingt, wieder abzusteigen. In Monjo (2850) verbringe ich zwei Tage um wieder gesund zu werden, bevor ich dem Rest der Truppe wieder folgen kann. Während dieser Zeit lerne ich von Bir viele Nepali Vokabeln, die im späteren Verlauf des Trekkings und im Basislager immer wieder für einen Lacher gut sind.
Wieder gesundet geht es von Monjo über Kumjung (3780) nach Machermo (4410), von wo aus wir bei Neuschnee Richtung Gokyo (4790) wandern. Beim 2. Gokyo Lake kommt es zum wiedersehen mit dem Rest der Gruppe. Es folgt ein kurzer Informationsaustausch bei dem ich feststellen muss, einiges verpasst zu haben. Beispiel dafür Christians Heiratsantrag auf dem Renjo-La (5410 m) an Sandra.
Das Abendessen und die Nacht verbringen wir gemeinsam in Na (4400), bevor wir uns am nächsten Morgen in Richtung Basislager (4750) auf dem Weg machen.
Nach 8 Tagen sind wir im Basecamp angekommen. Erstaunt stellen wir fest, dass wir nicht die einzigen sind, die auf den Gipfel wollen. Michele aus Italien mit Freundin und Mannschaft sowie ein Brite mit Team sind im BC. Nicht schlecht staunen wir über einen einzelnen Polen. Ohne Team und wohl auch ohne Climbing-Permit zieht er im Solo-Khumbu herum. Stau wird es zum Gipfel dennoch keinen geben.
Rita und Sandra haben ihre Taschen schon wieder gepackt. Gemeinsam mit einem Guide und zwei Trägern machen sie sich am 19. November auf den Rückweg nach Lukla.
Am darauffolgenden Tag arbeiten wir uns zu dritt über die Moränen und den Gletscherbruch zum Lager 1 vor, um dort bereits Material für die bevorstehende Besteigung zu deponieren. Roland, gesundheitlich angeschlagen, pausiert und wird am nächsten Tag nach Phortse Tenga (3680) absteigen, um sich auszukurieren. Da Christian ihn dabei begleiten wird, sind Manfred und ich vorerst alleine mit unseren Nepalischen Freunden im Basecamp.
Am nächsten Tag starten Manfred, Bir und ich erneut in Richtung Lager 1. Nach dieser Tour haben wir alles im Hochlager deponiert. Während der nächsten 3 Tage richten sich die Blicke immer öfters in westliche Richtung. Aus dieser erwarten wir das Eintreffen von Roland und Christian.
Am 26. November machen Roland, Manfred und ich mich auf den Weg Richtung Gipfel. Christian entschließt sich im Basislager zu bleiben, da er nach wie vor an einem Infekt leidet. Im Lager 1 wird kurz etwas Schnee geschmolzen und eine Suppe gegessen. Manfred beginnt mit dem Herrichten des Zeltplatzes während Roland und ich die Fixseile um den Felskopf für die nächtliche Begehung einbauen bzw kontrollieren. Am Beginn des Firngrates (5800) deponieren wir Seile, Firnanker und Steileisgeräte, schauen dem steilen Grat entgegen, den wir in wenigen Stunden hochklettern wollen. Zuerst aber geht es zurück ins Hochlager. Eine weitere „Rara Noodle Soup“ und eine Trinkflasche voll mit Tee sollte als Stärkung genügen. Es ist zwar im Lager 1 wärmer als im BC (-12°C) dennoch verkriechen wir uns bald in unsere Schlafsäcke.
Ausgerechnet im Lager1 schlafen alle so gut, dass wir den Wecker nicht hören. So kommen wir am Gipfeltag einfach nicht rechtzeitig in die Spur. Zwar mit Verspätung aber doch mit Eifer geht es himmelwärts. Über den lässigen Anstieg kämpfe ich mich seilfrei voran. Ab ca 6000m bekomme ich einen Höhenkopfschmerz, dem ich Respekt zolle. Angeseilt und wie ausgelutscht kämpfe ich mich Schritt für Schritt in Richtung Südgipfel (6200), den wir auch gegen 12.00 Uhr erreichen. Der verbleibende Weg zum Hauptgipfel beläuft sich auf ca 3 Stunden. Da wir alle ein bisschen lediert sind (kalte Finger, kalte Zehen, Kopfweh) und den Zeitrahmen niemals einhalten könnten, fällt die Entscheidung, dass die Tour hier zu Ende ist. Zumindest heute. Ein unbeschreiblicher Ausblick auf die Könige im Sagarmatha Nationalpark (Everest, Lhotse, Nuptse, Makalu, Ama Dablam) sowie zahlreiche weitere, formschöne Gipfel ist uns bei wolkenlosem Himmel gegönnt. Den bevorstehenden Abstieg nehmen wir in Angriff, nach dem wir noch einige Fotos geschossen haben.
Nach der 2. Nacht im Lager1, noch bevor die Sonne das Zelt aufwärmt, machen wir uns an die Arbeit. Abbauen des Zeltes, Zusammenpacken und Aufbruch in Richtung Gletscherbruch. Am Ende des Gletschers wartet schon ein nepalesisches Empfangskomitee. Bir, Mitru und Haydan gratulieren uns zu unserem Erfolg und erleichtern uns um das schwere Gepäck.
Am Abend wird mit „Gamsmilch“ und einem extra für uns gebackenen Kuchen gefeiert. Am nächsten Morgen, einen Tag früher als geplant, machen wir uns auf den Weg Tal auswärts. In Phortse Tenga wird dem Loge Besitzer der Biervorrat wegen unserer Gipfelfeier geschmälert. Gesund, gut gelaunt über den Erfolg erreichen wir nach weiteren 2 Tagen Lukla.
Meine erste Bergfahrt in extreme Höhen sollte nur mit dem Südgipfel belohnt werden. Aber Land und Leute haben mich in einer Art fasziniert, dass ich nur sagen kann: Ich komme wieder.
Namaste
Markus Greußing
Polizei Bergführer
Impressionen
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Buddha's Augen sind überall
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Yak - wohlverdiente Pause
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keTi - Mädchen; freut sich über einen Luftballon
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Wintereinbruch in Gokyo
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Weg zum Gipfel - Moräne -
Gletscherbruch - endloser Gran
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kleiner Gletschertisch im Toteis
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Auf dem Grat Richtung Gipfel
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Südgipfel 6200 -
Roland und Manfred mit Everest und Lhotse
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