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4 schwierige Nachtbergungen mit dem BMI-HS an einem Tag
Am 10. Oktober 2010 versahen der Pilot Walter STROLZ und der FO Franz POPPELLER ihren Dienst auf der Flugeinsatzstelle Innsbruck.
In den frühen Abendstunden ereignete sich im Bereich der „Nordkette“ in Innsbruck ein schwerer Alpinunfall, bei dem eine Bergsteigerin nach einem 100m-Absturz über felsiges Gelände schwer verletzt vom NAH C1 geborgen und in die Klinik nach Innsbruck gebracht werden musste. Die Begleiter dieser Bergsteigerin versuchten vorerst noch alleine ihren Abstieg in Richtung Innsbruck fortzusetzen. Gegen 18.00 Uhr gerieten die beiden Bergsteiger dann aber wieder in schwieriges Gelände und trauten sich aufgrund der bereits fortgeschrittenen Dämmerung nicht mehr weiter. In dieser für sie aussichtslosen Situation verständigten sie über Notruf die Leitstelle Tirol und ersuchten um dringende Hilfe.
Trotz Sichtbehinderung durch die bereits eingetretene Dunkelheit konnte die Besatzung des verständigten BMI-HS die beiden in alpiner Notlage befindlichen Bergsteiger mittels 20m-Tau bergen und direkt nach Innsbruck zur FEST fliegen.
Unmittelbar nach dieser Bergung erfolgte um 18.30 Uhr eine neuerliche Alarmierung des BMI-HS durch die Leitstelle Tirol wegen einer „Notlage von 5 Kletterer“ auf der Vorderen Karlsspitze im Wilden Kaiser. Auch dort war im Zuge der Tour eine Person abgestürzt und hatte sich schwer verletzt. Sie wurde mit dem NAH geborgen. Die weiteren 5 Kletterer setzten ihre Tour trotzdem fort, kamen aber erst bei völliger Dunkelheit auf den Gipfel. Dort riefen auch sie über Notruf die Leitstelle und ersuchten um dringende Hilfe.
Die Crew des BMI-HS flog bei völliger Dunkelheit nach Scheffau, dort erfolgte im Talbereich der „Umbau“ auf ein 20m Tau. Der Anflug zum Gipfel der Karlspitze im Wilden Kaiser gestaltete sich aufgrund der fortgeschrittenen Finsternis (Neumond) als sehr schwierig.
Ein beabsichtigtes Absetzen des FO auf dem Gipfel war beim ersten Anflug nicht möglich, weshalb STROLZ tiefer unten näher zur Wand hinflog und den Hubschrauber dann der Wand entlang bis zum Grad hinauf steuerte. Dort konnte POPPELLER einen Stand finden und sich vom Tau lösen.
Nach Abklärung der Situation wurde das Tau ausgehängt und die Personen konnten nacheinander schwebend vom sehr ausgesetzten Grat aus in den Hubschrauber steigen. In zwei Flügen konnten alle Beteiligten unverletzt ins Tal gebracht werden.
Nach Bergung dieser Personen wurde der Crew neuerlich über Funk durch die Leitstelle mitgeteilt, dass sich in unmittelbarer Nähe noch 2 weitere Personen in einer Notlage auf dem Gipfel der „Fleischbank“ befinden würden. Diese konnten trotz Finsternis nach einiger Zeit von der HS-Besatzung lokalisiert und anschließend vom Gipfelgrad ebenfalls schwebend in den Hubschrauber geholt und ins Tal geflogen werden.
Gegen 22.20 Uhr, während des Landeanfluges in Innsbruck, kontaktierte die Bergrettung Leutasch die BMI-Crew mit einem dringenden Ansuchen zur Bergung von zwei Kletterern. Diese würden in auswegloser Situation in der 400m hohen Südwand der "Schüsselkarspitze" im Wettersteingebirge hängen und ebenfalls dringend Hilfe benötigen.
Die Information dazu war, dass seit ca. 5 Stunden durch die Kräfte der Bergrettung erfolglos versucht worden war, zu den mittlerweile stark unterkühlten Bergsteigern vorzudringen und sie aus dieser Situation zu befreien. Zudem könne, da die Kletterer bereits mehrere Stunden frei im Klettergurt hängten, nicht ausgeschlossen werden, dass sich diese Personen in Lebensgefahr befanden bzw. dass die Kletterer ev. auch aufgrund der tiefen Temperaturen die Nacht nicht überleben könnten.
Aufgrund dieses Sachverhaltes erhielt die Crew die Genehmigung des Flugbetriebsleiters für den Versuch einer weiteren Nachtbergung.
Nach schwierigem Anflug in völliger Dunkelheit zum Einsatzgebiet führten STROLZ und POPPELLER eine Situationsanalyse durch.
Nach Rücksprache mit der Bergrettung entschlossen sich Pilot und FO, die Situation in der Wand von der Luft aus selbst genau zu erheben. Sie suchten die Wand mit dem Suchscheinwerfer von unten langsam nach oben ab. Dabei konnten sie feststellen, dass eine Person auf Signale reagierte, die zweite Person jedoch keinerlei Reaktion mehr zeigte.
Nach entsprechender Absprache einigten sich STROLZ und POPPELLER die Bergung mit einem 50m Tau zu versuchen. Aufgrund der ungünstigen Bedingungen vereinbarte die Crew, dass beide Kletterer gleichzeitig mit Hilfe einer „Kaperbergung“ aus der Wand geborgen werden müssten.
Für die Retter galt es folgende Schwierigkeiten abzuwägen:
- Kaperbergung gleichzeitig von 2 Personen an einem 50 m Tau und das bei Dunkelheit bzw. einer relativ schwachen Ausleuchtung der Wand durch die Bergrettung.
- Pendelbewegungen am 50m Tau in der Nacht können vom Piloten nur schwer ausgeglichen werden.
- Gleichzeitige Kaperbergung von 2 Personen erfordert eine relativ zeitaufwändige Kontrolle der Bedingungen am Stand und dadurch über längere Zeit eine gefährliche fixe Verbindung zwischen Fels und Hubschrauber.
Nachdem sowohl Pilot als auch FO von der Machbarkeit der Bergung überzeugt waren, erfolgte auf einem kleinen Zwischenlandeplatz unterhalb der Wand der Umbau auf das 50m Bergetau.
Trotz der äußerst schwierigen Bedingungen gelang es der BMI Crew bereits beim ersten Anflug beide Personen gleichzeitig aus der 400 m hohen Wand zu „kapern“.
Die Geretteten wurden direkt am Tau nach Leutasch geflogen, wo sich dann auch noch die Landung sehr schwierig gestaltete.
Aufgrund der schlechten Sichtbedingungen und der extremen Pendelbewegung des Bergetaues gelang es STROLZ beim ersten Anflug nicht, die Geretteten sicher am Fußballplatz in Leutasch abzusetzen.
Erst beim zweiten Anflug gelang es die am Bergetau hängenden Personen sicher und unverletzt abzusetzen. Die Geretteten waren zwar stark unterkühlt, aber ansonsten unverletzt.
Aufgrund der außergewöhnlichen Leistung des Piloten Walter STROLZ und des Flight-Operator Franz POPPELLER war es in dieser Nacht im Zuge der geschilderten 4 Nachtbergungen gelungen 11 Personen aus extremer Gefahr zu retten. Dadurch konnten natürlich auch aufwändige und gefährliche terrestrische Einsätze der örtlich zuständigen Bergretter vermieden werden.
Erich Ladstätter
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