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Spiritual Kailash

Der heilige Berg Kailash, auch „Schneejuwel“ genannt, liegt in Tibet, mitten unter den höchsten Bergen der Welt, im Transhimalaya. Für Hindus und Buddhisten ist diese 6714 m hohe Pyramide aus Fels und Eis eine Stätte übernatürlicher Kräfte und Mittelpunkt des Universums und muss einmal im Leben besucht werden. Dafür opfern sie all ihr Vermögen und Zeit, um dieses Ritual erleben zu dürfen. Auf Bauch, Händen und Knien messen die Pilger betend in bis zu 40 Tagen den Weg in Körperlängen rund um den heiligen Berg, der nicht bestiegen werden darf und auf dessen Gipfel die Götter wohnen.

Unter dem Motto „spiritual Kailash“ starteten Helli Walser und ich im Oktober 2009 zur Pilgerfahrt. Neben dem Bundeskanzler aD Dr. Wolfgang Schüssel, nahm auch noch seine Tochter Nina, der 78 jährige Pater Severin vom Stift Sekau und weitere 4 Freunde des Bundeskanzlers teil.

Nach unserer Ankunft in Kathmandu, der Hauptstadt Nepals holte uns Min, mein nepalesischer Freund vom Flughafen ab. Schon der Weg ins Hotel war für unsere „Neulinge“ ein tolles Erlebnis. Beim Sightseeing in den 3 Königsstädten Bakthapur, Bathan und Kathmandu, mit ihren alten Tempelanlagen wurde uns das asiatische Leben näher gebracht.

Nach Erledigung schwieriger Grenzformalitäten ging die Reise mit einem herrlichen Flug nahe an den 8000er Bergen des Himalaya, in den Westen Nepals nach Simikot weiter. Begeistert von der herrlichen Landschaft und der Begegnung mit den Einheimischen wanderten wir am Karnali River entlang in Richtung tibetischer Grenze. Wir lernten das ursprüngliche Nepal mit seinen kleinen Dörfern und den Menschen in ihrer einfachen und harten Lebensweise kennen. Im Hintergrund begleiteten uns die mächtigen Eisriesen des Himalaya.

Jeden Abend bauten wir zusammen die Zelte auf, während unsere Küchenboys Kamal und Sukka schmackhaftes nepalesisches Essen zubereiteten.

Mit unserem Pater Severin tauschten wir spirituelle Gedanken aus und diskutieren über den Buddhismus, Hinduismus und das Christentum. Unsere drei Frauen Linde, Burgi und Nina sorgten für die Unterhaltung und auch die Musik kam nicht zu kurz. Wolfgang und Peter umrahmten mit der Gitarre die Lieder aus der Heimat.

Langsam ging es höher und am 6. Tag überschritten wir in tiefem Schnee unseren ersten Höhepunkt, den 4620 m hohen Nara La. Wir folgten dabei einer alten Handelsroute zwischen Tibet und Nepal, bzw China und Indien, wo noch heute viele Träger, Esel und Ziegen Salz und Reis über die Berge transportieren.

Als wir die tibetische Grenze in Hilsa und Sher erreichten, glaubten wir in einer anderen Welt zu sein. Das tibetische Hochland, karg und vegetationslos mit seinen im Hintergrund aufragenden Eisbergen lag vor uns ausgebreitet. Mitten durch führte eine asphaltierte Straße, die hier endete. Ab Hilsa beginnt die Arbeit der Träger und Tragtiere, die die schweren Lasten auf einem schmalen Steig den steilen Pass Nara La von Tibet nach Nepal transportieren.

Wir hingegen konnten nun in 3 Jeeps umsteigen und in Richtung Kailash fahren. Auf der Fahrt hatten wir eine herrliche Sicht auf unser Ziel. Frei stand er da, formschön und mit Schnee überzogen, der heilige Berg Kailash, ein wirkliches Schneejuwel. Wir hielten inne und bewunderten ihn, die Kameras klickten und wir staunten über die Schönheit dieses Anblickes.

Am Manasarovar See hielten wir an, es galt nun den Körper an die große Höhe in Tibet anzupassen. Wir lagerten am See auf 4500 m, an einem der schönsten und spirituellsten Plätze der Welt. Wer im heiligen See badet oder das Wasser trinkt, dem werden sämtliche Sünden erlassen und Krankheiten geheilt. Dies gilt aber leider nur für Buddhisten und Hindus. Trotzdem tranken auch wir genügend heiliges Wasser und der eine oder andere nahm sich sogar ein Fläschchen mit, man weiß ja nie….

Bedauerlicherweise wurden von den Chinesen, wie in ganz Tibet, auch hier am Manasaroversee seit den 50er Jahren sehr viele Klöster niedergebrannt und zerstört. Glücklicherweise blieb ein Kloster verschont und bot uns Einblick in das Leben der Mönche und Buddhisten.

Am folgenden Tag ging die Fahrt weiter nach Darchen, dem Ausgangspunkt für die Kora, wie die Umrundung des heiligen Berges Kailash genannt wird.

Leider erkrankten in Darchen zwei meiner Gruppenmitglieder und Pater Severin blieb mit ihnen in der Lodge zurück.
Linde, Nina, Burgi, Wolfgang, Helli und ich machten uns bei grimmiger Kälte und viel Schnee auf den Weg.
Auch wir wollten die Kora in Körperlängen, gleich den Hindus u Buddhisten abmessen. Aber um unsere Kleidung zu schonen, entschieden wir uns dann doch, auf unseren Füßen den Berg zu umwandern.

In der 1. Lagernacht auf 5000 m erwischte es leider auch Wolfgang, er wechselte die ganze Nacht zwischen Klo und Schlafsack hin und her. Hatte er am 1. Tag zu wenig gebetet oder aus dem See zu wenig Wasser getrunken? Aufgrund der körperlichen Schwäche musste er zurückgehen und Helli erklärte sich sofort bereit, mit ihm abzusteigen.

Die ersten Sonnenstrahlen erblickten den Gipfel des Kailash, als ich mit den 3 Frauen die Wanderung fortsetzte. Es stellte sich wieder einmal heraus, dass die Frauen in der Höhe einfach stärker und leistungsfähiger sind, als das sonst doch so starke Geschlecht. Nach 6 Stunden Aufstieg erreichten Burgi, Linde, Nina, meine zwei Nepalis Kamal und Sukka und ich den Drolma La Pass auf 5640 m. Unzählige Gebetsfahnen und Opfergaben zierten den Übergang. Leider mussten in den vergangenen Tagen und Nächten hier 5 chinesische Pilger ihr Leben lassen, sie erfroren in der Kälte. So nahe sind Glück und Unglück beisammen.

Ein langer Abstieg führte uns zum Kloster Zutrul Phuk. Dort schliefen wir zufrieden und glücklich mit den Gebeten der Mönche ein.

Am Morgen erreichte uns eine schlimme Nachricht aus Darchen.
Peter, einer unserer Zurückgebliebenen, hatte große gesundheitliche Probleme und war mit dem Jeep auf dem Weg nach Kathmandu ins Krankenhaus. Die sehr harte und mühevolle Fahrt führte über teilweise wilde Schotterpisten. Durch die politische Hilfe von Wolfgang machten sogar die chinesischen Soldaten Überstunden und erwarteten unseren Nottransport an der Grenze. So konnte gegen Mitternacht des 2. Tages Peter im Krankenhaus in Kathmandu behandelt und Dank ärztlicher und Gottes Hilfe am Leben erhalten werden.

Ich stieg mit den 3 Frauen nach Darchen ab, wo wir wieder auf Wolfgang und Helli trafen. Gemeinsam verbrachten wir den Abend nochmals am Manasarovar See und verabschiedeten uns vom heiligen Berg Kailash. Es waren traumhafte Erfahrungen, die wir an diesem einzigartigen Berg machen durften.

In Kathmandu angekommen, gab es für uns, und vor allem für Wolfgang nochmals einige stressreiche Tage. Besuche beim Prime Minister, Botschafter, Konsul etc füllten den Tag.

Während Helli startete, um die Ama Dablam mit 6856 m Höhe zu besteigen und Nina zur nächsten Trekkingtour ins Solu Khumbu aufbrach, stiegen wir anderen gemeinsam mit unserem genesenen Peter in das Flugzeug Richtung Heimat.

Eine spirituelle Reise zu einem einzigartigen Ziel, wie ich sie vorher noch nie erleben durfte, ging dem Ende zu. Mit einem kleinen weinenden und einem großen lachenden Auge blickte ich auf die Trekkingtour zurück. Aber Abschied heißt Wiederkommen, spätestens wenn das Fläschchen Wasser auf dem Manasarovar See ausgetrunken ist.

Impressionen

  

 

Mit einem herzlichen Namaste und Dashe Delek

Stefan Jungmann
Leiter der Alpinen Einsatzgruppe Landeck
Bergführer

 

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