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Besuch bei der Guardia Civil in Spanien
Über Einladung der spanischen Guardia Civil entsandte das BMI im Oktober 2009 die Polizeibergführer Alfred Mannen aus Niederösterreich, Bernhard Magritzer aus Oberösterreich, Franz Markart aus Tirol und Christoph Gargitter aus Vorarlberg zu einem Informationsaustausch mit der Guardia Civil Mantana in die spanischen Pyrenäen. Dazu ein Bericht von Christoph Gargitter:
Der Ort Jaca in den zentralen spanischen Pyrenäen begrüßte uns mit strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen, was uns die strapaziöse Anreise über Zürich – Genf - Valence – Toulouse (21 Stunden Fahrtzeit, 2000 km, bei teilweise starkem Regen) rasch vergessen ließ.
Jaca, am südlichen Rand der zentralen Pyrenäen gelegen, ist ein Ort mit ca. 12000 Einwohnern. Dessen Einwohner leben hauptsächlich vom Tourismus. Jaca ist Ausgangspunkt für Wanderungen in diesem Teil der Pyrenäen und für den Wintertourismus in den nahe gelegenen Wintersportorten Candanchu und Astun. Es beherbergt zudem die Ausbildungsstätte der Alpintruppen der spanischen Armee und das Hauptquartier der spanischen Alpinpolizei, der Guardia Civil Montana.
Am nächsten Morgen werden wir vor unseren Guides Isidoro Sanchez Fernandez, kurz ‚Chiro‘, und von Salva (Salvatore), beides Alpinausbildner bei der Guardia Civil Montana beim Hotel abgeholt und zu ihrem Hauptquartier in Jaca begleitet. Dort werden wir von Leutnant Fernando Rivero Diaz (war mit Roland Mattle zusammen am Shishapangma, Nepal unterwegs) empfangen und Colonel Sebastian Martinez Martinez, dem Kommandanten der Guardia Civil Montana, vorgestellt.
Von Leutnant Fernando Rivero Diaz und unseren Guides erfahren wir, dass die Guardia Civil (spanische Bundespolizei) über eine stehende Einheit von 250 Alpinpolizisten, die Guardia Civil Montana verfügt, deren Zentrale sich in Jaca befindet.
Zu den Aufgaben der Guardia Civil Montana zählen der Such- und Rettungsdienst in Berggebieten inklusive der Flugrettung und natürlich auch die entsprechenden polizeilichen Erhebungen zu Berg- und Schiunfällen. Um diese Aufgaben wahrnehmen zu können, unterhält die Guardia Civil Montana Stützpunkte in Berggebieten in ganz Spanien bis hin zu den Kanarischen Inseln und den Balearen.
Die Ausbildung der Guardia Civil Montana erfolgt in der Ausbildungsstätte in Candanchu, einem Schigebiet nahe der französischen Grenze bei der Puerto de Somport (1632 m). Die Alpinausbildung dauert neun Monate und ist in drei verschieden lange Ausbildungsabschnitte aufgeteilt.
Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung (Limits z.B. beim Sportklettern 6a, Aufstieg in 1 ½ Std für 1100 Höhenmeter) werden die Absolventen je nach Bedarf auf die einzelnen Stützpunkte aufgeteilt und sind dort hauptberuflich als Alpinpolizist und Bergretter tätig.
Nach dem informativen Besuch im Hauptquartier der Guardia Civil Montana fahren wir mit unseren Guides Chiro und Salva nach Riglos (ca. 1 Std, 60 km südlich von Jaca). Riglos ist ein kleines Örtchen am Fuße der Los Mallos, roten Felstürmen aus Konglomeratgestein.
An den bis zu 300 Meter hohen Felstürmen finden sich zahlreiche Kletterrouten der mittleren und oberen Schwierigkeitsgrade. Am Parkplatz treffen wir auf mehrere Jeeps der Guardia Civil und Beamte, die dort in ihrer Dienstzeit klettern und Bergetechniken üben.
Wir entscheiden uns für die sehr schöne Route Moskito (6b – 5 SL). Das ungewohnte Konglomeratgestein bereitet uns keine Probleme und wir steigen anschließend zu Fuß zu einem Sattel auf und machen einen Rundgang durch die grandiose Landschaft aus einer Vielzahl von Felstürmen. Im Aufwind der Felstürme kreisen unzählige Bartgeier, auf Spanisch ‚Buitre‘.
Durstig kehren wir auf der Rückfahrt nach Jaca in Murillo de Gallego ein und trinken Bier aus eisgekühlten Gläsern.
Am folgenden Tag holt uns Chiro beim Hotel ab und wir fahren zusammen mit Fernando und zwei weiteren Guarda Civil-Leuten zum 100 km entfernten Rio Vero, einer bekannten Schlucht in der Sierra del Guara. Wir steigen gemeinsam durch die wunderschöne, nicht wasserführende Seitenschlucht ´Barranco de la Portiacha‘ (3 Abseilstellen bis 35 m, ca. 1 Std) zum Rio Vero ab.
Der Rio Vero, ein Wander-, Schwimm- und Springcanyon ist ein Naturmuseum der Erosion. Senkrechte , ausgehöhlte Steilflanken, halbdunkle, höhlenartige Säle, phantastisch modellierte Steinskulpturen und Labyrinthe mit riesigen Steinblöcken bereiten uns einen vergnüglichen Abstieg bis zum Endpunkt in Alquezar (ca. 4 Std, Helm und Neoprenanzug genügen, kaltes Wasser).
In Alquezar, ein malerischer, im Sommer viel besuchter Urlaubsort für meist französische Touristen, erwartet uns der Kollege der Guardia Civil, der zusammen mit unserem Guide Chiro unser Fahrzeug vom Ausgangspunkt hierher überstellt hat. Den erlebnisreichen Tag beschließen wir in einer Tapabar bei regionalen Fisch- und Pilzspezialitäten.
Donnerstag, 15.10.
Wir fahren ins 70 km entfernte Huesca, eine größere Bezirksstadt mit Regionalflughafen und besichtigen dort den Flugrettungsstützpunkt der Guardia Civil. Der normale Einsatzhubschrauber der Guardia Civil, eine EC 135, ist derzeit in der Wartung. Ersatzmaschine ist eine BO 105. Die Besatzung besteht aus zwei Piloten und einem Arzt. Bei Bedarf wird ein Bergespezialist der örtlichen Guardia Civil Montana aufgenommen.
Mit dem HS werden hauptsächlich Bergrettungseinsätze abgewickelt. Die EC 135 ist mit einer Winde mit einem 50 m langen Seil ausgerüstet, die im Einsatzfall von einem der beiden Piloten als Windenführer von der Kufe aus bedient wird.
Bei einem spektakulären Rundflug in die Sierra del Guara, ein bis zu 2100 m hohes Vorgebirge der Pyrenäen, zeigen uns die beiden Piloten die tief eingeschnittenen Schluchten. In atemberaubendem Tiefflug gleiten wir über die kahlen Hügel und durch die tiefen Schluchten, immer auf der Hut nach im Aufwind kreisenden ‚Buitres‘ (Geier).
Besonders beeindruckend, die Barranco de Mascun, eine tief eingeschnittene Schlucht mit imposanten Felsnadeln und glasklaren, türkisfarbenen Wassergumpen. Ein Paradies für Sportkletterer und Canyonauten. Idealer Ausgangspunkt für Unternehmungen in diesem Gebiet ist Rodellar, ein kleiner Ort mit einfachen Unterkünften (Gites) und Campingplätzen.
Am Nachmittag erkunden wir zusammen mit Chiro die Garganta de la Peonera, eine Schlucht im unteren Abschnitt des Rio Alcanadre in der Nähe der Ortschaft Bierge. Ein riesengroßer Parkplatz am Ausgangspunkt, der in den Sommermonaten meist überfüllt ist, zeugt von der Beliebtheit von Canyoning in der Sierra del Guara mit mehr als 150 Touren verschiedenster Schwierigkeitsgrade.
Die Garganta de la Peonera ist ein einfacher Schwimm- und Wandercanyon (ca. 1 ½ Std). Glasklares und recht kaltes Wasser erfordern eine komplette Neoprenausrüstung. Schwimm- und Gehstrecken wechseln ab mit leichten Abkletterstellen durch Felslabyrinthe. Am Ende der Tour öffnet sich die Schlucht zu einem großen, sonnigen Wasserbecken mit seitlich einmündenden Quellen mit lauschigem Picknickplatz. Ein Paradies für einen Familienausflug.
Unsere Freunde der Guardia Civil Montana holen uns dort mit ihrem Geländefahrzeug ab und bringen uns zum Ausgangspunkt (sonst ca. 1 Std Fußmarsch) zurück. Nach der Tour genießen wir in der kleinen Ortschaft Abiego in der Bar Jesus ein landestypisches Gericht und löschen unseren Durst, bevor wir die Rückfahrt nach Jaca antreten (ca. 90 km, 1 Std 15 Min).
Freitag, 16.10.
Wir treffen uns um 09.00 Uhr mit unserem Guide Chiro vor dem Hotel. Trotz strahlendem Sonnenschein ist es kalt und windig. Wir fahren Richtung Candanchu. Am Vormittag wollen wir Klettern, geben unser Vorhaben aber wegen der schattigen Lage und der tiefen Temperaturen auf und besichtigen stattdessen die Schigebiete in Candanchu und Astun.
Candanchu und das fünf Kilometer entfernte, höher gelegene Astun sind mittelgroße Schigebiet an der spanisch-französischen Grenze mit relativ modernen Liftanlagen. Schischulleiter in Candanchu ist der Präsident des spanischen Schiverbandes, den wir später in Jaca treffen. Er spricht perfekt Deutsch, da er vier Jahre lang als Schilehrer in St. Christoph am Arlberg tätig war.
Für den frühen Nachmittag ist ein Abschlussessen in der Kantine der Ausbildungsstätte der Guardia Civil Montana in Candanchu geplant. Zu diesem Anlass ist extra aus Madrid ein General angereist, dem alle Sondereinheiten in Spanien unterstehen. Unsere Führer sind sichtlich nervös ob der Anwesenheit solcher Prominenz.
Das Treffen mit den hohen Herren verläuft dann jedoch recht leger. Die Einladung auf ein Bier schlagen wir nicht ab und beim gemeinsamen Essen mit reichlich Wein legt sich unsere Anspannung. Sie steigt zwar noch kurz ob der Tatsache, dass einer von uns in Englisch eine kurze Rede halten sollte.
Da unser Gegenüber aber ebenfalls kein Oxford-Englisch spricht, wird dies rasch zur Zufriedenheit aller erledigt und der offizielle Anlass geht mit einem Gruppenfoto und dem Versprechen des Generals, nächstes Jahre eine Abordnung der Guardia Civil Montana nach Österreich zu entsenden, zu Ende.
Bei einer Tour durch verschiedene Bars und Tapalokale verabschieden wir uns von unseren überaus freundlichen und hilfsbereiten Guides der Guarda Civil Montana, Chiro und Salva und hoffen auf ein Wiedersehen.
Polizeibergführern, die das Gebiet um Jaca und die Sierra del Guara besuchen möchten, steht Chiro, unser freundlicher Begleiter, mit Informationen zur Verfügung. Interessenten werden die Kontaktdaten auf Anfrage mitgeteilt.
Impressionen
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Leutnant Fernando Rivero Diaz erklärt das Einsatzgebiet der Guardia Civil Montana.
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Die Felstürme der Los Mallos bei Riglos.
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Franz Markart in der Route Moskitos 6b.
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Unser Begleiter der Guardia Civil Montana, Isidoro Sanchez Fernandez, genannt ‚Chiro‘.
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Salva, Franz, Alfred und Chiro
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Abseilen in die malerische Barranco de la Portiacha
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Rio Vero
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Vom Dunkel ins Licht, Rio Vero
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Christoph, Franz und Fernando in Alquezar
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Bernhard, Chiro, Franz und Christoph mit Pilot und Flugrettungsärztin
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Flug durch die Barranco de Mascun
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Im Felslabyrinth der Peonera-Schlucht
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Im glasklaren Wasser der Garganta de la Peonera
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Alpinausbildungsstätte in Candanchu
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Gruppenfoto mit Teniende General Atilano Minojosa Galindo und Colonel Sebastian Martinez Martinez
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Weitere Fotos findest du hier (Picasa-Webalbum).
Christoph Gargitter
Obmann des ÖPBV
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