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Steirische Polizeialpinisten in Ecuador
Am 2. Jänner 2009 brach eine 11köpfige Bergsteigergruppe aus der Steiermark nach Ecuador auf, um in den Cordilleras der ecuadorischen Anden einige Vulkanberge zu erklimmen. Unter den Teilnehmern befanden sich vorwiegend Angehörige der Bergrettung Schwanberg, auch zwei Damen waren dabei, sowie die Alpinpolizisten Gerhard Hochstrasser, Kommandant der PI Lannach und Karl Reinisch, Leiter der Alpinen Einsatzgruppe Deutschlandsberg. Von Wien über Amsterdam wurde nach insgesamt 31stündiger Reisezeit, Quito, die Hauptstadt von Ecuador erreicht.
Gleich am nächsten Tag begann die Gruppe, sich mit Wanderungen auf die Hausberge von Quito, den Rucu Pichincha und den Guagua Pichincha, zu akklimatisieren. Bei den ersten steileren Anstiegen bemerkte man jedoch sofort, dass man sich doch schon auf Mont Blanc Höhe befand und diese der Körper sofort mit höherem Puls quitierte, es waren die Gipfel doch bis zu 4800m hoch.
Am 06.01.2009 wurde es jedoch ernst. Die Gruppe fuhr ins Dorf Chaupi, ca 3 Autostunden südlich von Quito, um dort Quartier zu nehmen. Am 07.01.2009 um 03.30 Uhr ging es dann los. Mit Geländefahrzeugen auf einem ausgeschwemmenten Weg (unsere schlechtesten Almwege sind in einem besseren Zustand) erreichte man eine Seehöhe von 3900m und es ging zu Fuß los, um den 5116m hohen Illiniza Norte zu bezwingen. Aufgrund nächtlicher Niederschläge hatte es im Gipfelbereich ca 30cm Neuschnee, was den normalerweise unschwierigen Anstieg doch etwas anspruchsvoll machte. Die Gruppe wählte nämlich nicht den einfacheren Weg, sondern ca 400 Höhenmeter Kletterei über den Süd-Ost Grat. Um 10.00 Uhr konnte der Gipfel bei blauem Himmel und herrlichem Ausblick auf die umliegenden Berge erklommen werden. Nachträglich stellte sich heraus, dass dies der letzte schöne Tag sein sollte.
Am darauffolgenden Ruhetag wurden der Quilotoa Kratersee und andere Sehenswürdigkeiten besucht, weiters konnte man Eindrücke über Menschen und Land gewinnen. Eine Bauernfamilie wurde besucht. 12 Personen wohnen dort in fast 4000m Höhe in einer 30qm großen Strohhütte.
Der 09.01.2009 war Reisetag zum nächsten bergsteigerischen Ziel. Vom Dorf Lasso fuhr man in den Cotopaxi Nationalpark. Auf einem Weg aus Lavasand ging es in Serpentinen dem Parkplatz zu, so abenteuerlich, dass die fahrerische Leistung des Chauffeurs beklatscht wurde. Bepackt mit Hochtourenausrüstung, Schlafsack und Verpflegung folgte der Ausstieg zum 4800m hoch gelegenen Refugio „Jose Ribas“, ein Massenquartier mit Kochgelegenheit. An Schlaf war nicht zu denken und so quälte man sich bis Mitternacht, um endlich aufzustehen zu dürfen. Frühstück und Abmarsch. Das Wetter war jedoch nicht positiv gestimmt. Bei Sturm, Nebel und Graupelschauer wurde der bis zu 40 Grad steile Gletscheranstieg bewältigt. Erschwerend war noch der grundlose Neuschnee (1 Schritt vor, 2 zurück). Nach 6 Stunden wurde jedoch unter enormen Strapazen der höchstgelegene aktive Vulkan, der 5897 hohe Cotopaxi, erreicht. Obwohl am Gipfel der Nebel kurze Lücken zeigte und der blaue Himmel zum Vorschein kam, war der Aufenthalt wegen des starken Windes kein Genuss. Auch der Abstieg erforderte aufgrund der Steilheit des Geländes und den Gletscherspalten höchste Konzentration. In Eis gepanzert kehrte man auf die Schutzhütte zurück.
Nach einem weiteren Ruhetag wollte man das nächste Ziel in Angriff nehmen, den 6310m hohen Chimborazo. Doch der Abbruch erfolgte schon am Refugio „Hermanos Carrel“ der in 5000m Höhe gelegenen Schutzhütte. Große Neuschneemengen, Verwehungen und damit verbundene Lawinengefahr sowie die schlechten Wettervorhersagungen waren ein zu großes Risiko für einen Aufstiegsversuch. Vorerst wurde der Gipfel um eine Woche verschoben.
Wieder nach Quito zurückgekehrt schmiedete man jedoch schon wieder neue Gipfelpläne. Der dritthöchste Berg Ecuadors, der 5790m hohe Cayambe wurde kurzfristig ins Programm genommen. Dieser Gipfel lag nordöstlich der Hauptstadt und man hoffte dort auf bessere Bedingungen. Am 15.01.2009 brach man zuerst nach Cayambe Town auf, wo Proviant eingekauft wurde. Allein die Fahrt mit dem öffentlichen Bus war schon ein Erlebnis. Danach folgten 28 abenteuerliche Kilometer auf einem ausgeschwemmten Weg mit Geländefahrzeugen zur Schutzhütte. Am Nachmittag erfolgte noch eine Erkundungswanderung zum Gletscherrand. Auch hier gab es sehr viel Neuschnee, doch der Himmel riss auf, was sofort für positive Stimmung sorgte.
Dann wieder das bereits bekannte Ritual, Tagwache um Mitternacht, Abmarsch um 01.15 Uhr, sternenklarer Himmel, leichte Kletterei im Schein der Stirnlampen bis zum Gletscherrand (gut, dass der Weg schon am Vortag erkundet wurde). Dann ging es los. Doch plötzlich, mitten auf einem riesigen Gletscherbecken, in einer ca 30 Grad steilen Flanke in 5100m Höhe ertönten „Wumm“-Geräusche. So laut, wie wir es in den heimischen Alpen nie erlebt hatten, Anzeichen für erhöhte Lawinengefahr. Das Risiko war der Gruppe zu groß und so wurde die Tour schweren Herzens, trotz schönem Wetters und ausgezeichneter körperlicher Verfassung, abgebrochen.
Mit der Stimmung in der Gruppe ging es bergab und ebenso mit dem Wetter. Noch im Laufe des Vormittags hüllte sich der Berg wieder in Wolken. Es begann zu schneien bzw im Tal zu regnen. Das war dann die Wetterlage für die nächsten Tage. Uns so musste man auch auf den zweiten Versuch, den Chimborazo zu besteigen, verzichten. Informationen von einheimischen Bergführern zufolge erreichte in der Zeit von 11. Jänner bis zur Abreise keine einzige Gruppe einen der hohen Gipfel.
Die letzten Tage in Ecuador verbrachte man dann mit Sightseeing, einer abenteuerlichen Zugsfahrt einer Dschungeltour und etwas Relaxen.
Das wichtigste war, dass das gesamte Team verletzungsfrei und gesund (ausgenommen kleine Magenverstimmungen) am 23.01.2009 wieder zu Hause eingetroffen sind.
Karl Reinisch
AEG Deutschlandsberg
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