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Bergsteigen am Ende der Welt
Mount Vinson, 4.897 m - Expedition in der Antarktis
Der MountVinson, einGipfel der Ellsworth Mountains, ist der höchste Berg der Antarktis und einer der „Seven Summits“, einer der höchsten Gipfel aller sieben Kontinente.
Er liegt etwa 1.000 Kilometer vom Südpol entfernt und 1.500 Kilometer vom nördlichen Rand der Antarktis in Richtung Südamerika.
Der Antarktische Kontinent, wie wir ihn heute sehen, umfasst eine Fläche von nahezu 14.000 000 km2 und hat etwa 6.750 Kilometer Durchmesser, das ist halb so groß wie Afrika und bedeutend größer als Australien oder in etwa die Größe von der Vereinigten Staaten und Mexiko zusammen genommen.
Etwa 90 Prozent des Eisvolumens der Erde liegen hier, 98 Prozent des Kontinents sind mit einem durchschnittlich 3.000 Meter dicken Eispanzer bedeckt.
Das Vinson Massiv selbst ist ein Plateau von 25 Kilometern Breite, immer über 2.500 Meter hoch gelegen. Der Anstieg auf den Mt. Vinson ist technisch weniger schwierig, jedoch erfordert er viel bergsteigerische Erfahrung und Härte, vor allem wegen seiner Höhe, der extremen Kälte und der isolierten Lage.
Ausgangspunkt unseres 3-wöchigen Abenteuers im letzten Dezember war Punta Arenas, eine Hafenstadt an der Südspitze Chiles, an der Magellanstraße.
Nach 4-tägigem Warten auf einigermaßen passable Wetterverhältnisse wurde unsere 12-köpfige internationale Mannschaft mit einem eigens speziell präparierten Flugzeug, einer Illjushin, in einem über 3.500 Kilometer langen Flug zum Ausgangspunkt Patriot Hills in der Antarktis geflogen.
24 Stunden Sonnenschein, der Blick hunderte von Kilometer über die unendlichen Eisflächen der Antarktis, Temperaturen unter – 30 Grad Celsius und eine unbekannte klare Luft ließen diese Expedition zu einem Abenteuer der Extraklasse werden.
Alleine der 6-stündige Flug über Feuerland und die Drake Passage und die anschließende Landung auf blankem Eis trieben die Stimmung in der Mannschaft auf den Höhepunkt.
In Patriot Hills, auf 800 Hm, hieß es erstmals die Zelte am Antarktiseis aufzustellen und wiederum warten, warten, …. warten auf Wetterbesserung und dem Weiterflug zum Basislager des Mount Vinson. Die Zeit wurde genützt um die Spaltenbergung zu Üben, uns bei Akklimatisationswanderungen an die tiefen Temperaturen, dem Sturm und die Schneeverwehungen zu gewöhnen und das Gepäck für den Flug mit einer Twinotter zum 2.220 Meter hoch gelegenen Basislager umzupacken. Die widrigen Verhältnisse und Sichtbehinderungen verhinderten widerum tagelang den Weiterflug.
Erst am 23.Dezember 2007, bereits dem 11 Tag unserer Expedition, war es schließlich so weit. Gegen 18.00 Uhr konnten wir zum viel zu kurzen, einstündigen, Flug ins Basislager unterhalb der Westwand des Mount Vinson starten. Eindrucksvoll unter uns, der unendlich scheinende Eispanzer, aus dem immer wieder Felsmassive emporragten und bereits von Weitem konnten wir das kleine Basislagerzelt und die Landebahn im Schnee erkennen.
Um keine weiter Zeit zu verlieren stiegen wir, unmittelbar nach der Landung und dem Briefing mit einem der beiden Basislagerbediensteten, über spaltenreichen Gletscher zum ersten Hochlagerplatz hoch.
Nachdem uns ein eigener Funkkanal zugewiesen wurde, wurde uns aufgetragen täglich, jeweils um 18.15 Uhr Ortszeit, mit dem Basislager via Funk zu kommunizieren.
Beim Bepacken der Kunststoffschlitten, auf denen wir unsere Ausrüstung und Verpflegung nachziehen mussten, konnte ich aus meinen Erfahrungen aus der Expedition im Mai 2005 zum Mount McKinley in Alaska profitieren. Mussten wir auch dort tagelang unser Gepäck auf Kunststoffschlitten transportieren.
Gegen 02.00 Uhr morgen, noch immer bei strahlendem Sonnenschein, jedoch Temperaturen um die minus 25 Grad wurde schließlich in zwei 6-köpfigen Seilschaften den Hochlagerplatz auf 2.860 m Höhe erreicht. Nahezu gespenstisch wirkte die totale Stille der Antarktis auf uns, war doch nur das Knirschen der Steigeisen im Schnee während des Aufstieges zu hören. Nachdem ein kleines Hochlagercamp aus 6 Zelten und einem kleinen Küchenzelt errichtet wurde hieß es dann ENDLICH SCHLAFEN.
Am Nachmittag des nächsten Tages, dem 24.Dezember 2007, erfolgte der Materialtransport zum Lagerplatz des Hochlager 2 auf 3.900 m Höhe. Nach einem 6–stündigem Aufstieg an einer 40 Grad steilen Eisflanke empor und dem Deponieren einiger Verpflegung und Ausrüstungsgegenstände wurde der „Heilige Abend“ des 24.Dezember wieder im Hochlager 1 verbracht. Tomatensuppe und Spagetti folgte ein Tässchen Glühwein und ein gemeinsames „Stille Nacht“. Danach waren wir froh wieder in unseren warmen Schlafsäcken verschwinden zu können.
Nachdem am Folgetage das gesamte Hochlager 1 zum Hochlager 2 hochgetragen undverlegt worden war hinderte uns wieder einmal ein Schneesturm am erster Gipfelversuch. Doch als sich dieser gegen Mittag des 26.Dezember legte, brachen wir zum 6 Kilometer entfernten Gipfel auf. Dick vermummt in unserer Daunenbekleidung mit Expeditionsschuhen an den Beinen steigen wir über weite Gletscherflächen in 6 Stunden gemeinsam zum Gipfel hoch. Minus 46 Grad Celsius, 60 km/H Wind, vereiste Schibrillen, gefühllose Finger und Zehen und doch endlich am Gipfel.
26.Dezember 2007, 19.00 Uhr – !!!!!Juchhu !!!!! - Mount Vinson, 4.897 m
Und am nächsten Tag wieder zurück in Patriot Hills - die Verhältnisse ließen einen raschen Abstieg und Rückflug zu. 3 Tage später wieder zurück in der Zivilisation – in Punta Arenas.
Natürlich wie vorgeschrieben, mit allen Abfällen und Exkrementen. Die jährliche geringe Niederschlagsmenge, zum Teil unter 15 cm in der Antarktis, würde bei einem freien Herumliegen der Exkremente zu einer Verschmutzung der gesamten Umgebung führen.
Vorbei war es mit der ungewöhnlichen Stille, 24 Stunden Sonnenschein, durchschnittlich minus 30 Grad Celsius, nahezu tagtäglich Sturm und Schneefall.
Wie schön war es wieder in einem Bett zu schlafen, zu duschen, nicht zu frieren, beim Essen am Teller und Besteck nicht festzukleben, die Dunkelheit zu genießen, …….
Doch irgendwie verging die Zeit viel zu schnell bei dieser fantastischen Expedition in einen großartigen, außergewöhnlichen Erdteil.
Herbert Wolf
Polizeiinspektion Bad Ischl
www.herbertwolf.at
0676/4926489
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