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Cholatse 08 - Abschluss einer Trilogie

Als ich bei meiner ersten Trekkingtour im Jahr 1999 im Solu Khumbu in Nepal den 6440 m hohen Cholatse, dann den 7161 m hohen Pumori und als Draufgabe noch die 6856 m hohe Ama Dablam sah, stieg in mir der Gedanke auf, diese drei schönen und schwiere Berge in dieser gewaltigen Himalaya-Kulisse zu besteigen.
Obwohl diese Berge die magische 8000er Grenze nicht übersteigen, überragen sie aufgrund ihrer Formschönheit, Steilheit und Ausgesetztheit die mächtigsten Berge der Welt.

Im Jahr 2002 war es dann soweit, ich konnte die Ama Dablam erfolgreich besteigen und im letzten Jah rkletterte ich über den seit 9 Jahren nicht mehr bestiegenen SW-Grat am Pumori vom Basislager aus nonstop bis zum Gipfel.

Jetzt blieb nur noch der Cholatse übrig. Dieser formschöne 6000er ist im Blickfeld jedes Trekkers, der sich am gegenüberliegenden GokyoRi abkämpft. Der Gipfel konnte bisher nur von sehr wenigen Expeditionen bestiegen werden und gilt nach wie vor als eine große bergsteigerische Herausforderung.

Im Oktober 2008 war es dann endlich soweit- mit meinem Bergrettungsfreund Helli Walser, der bereits am Ama Dablam mit dabei war, und dem Zillertaler Polizeibergführer-Aspirant Stephan Lechner flog ich bereits zum 12. mal nach Nepal, ins Land meiner Freunde und ins Land der mächtigsten und höchsten Bergen der Welt. Min Dhan Rai und sein Bruder Bir, die ja schon halbe Vorarlberger sind und jeden Sommer auf der Heinrich Hueter und Tilisunahütte lernen, haben uns am Flughafen von Kathmandu gebührend empfangen.

Nach der Erledigung der gewohnten Arbeiten und Formalitäten flogen wir mit einer Twinotter nach Lukla. Eine erlebnisreiche Landung auf dem 2800 m hoch gelegenen Flugplatz, trieb uns den Puls in die Höhe, bevor es dann gemächlich mit 11 Trägern und einer Küchenmannschaft in Richtung Namche Bazar ging.

Unsere Akklimatisationstour führte uns weiter über Thame und den 5416 m hohen Renja La Pass nach Gokyo. Die Aussicht auf unser Ziel war überwältigend, in seiner vollen Größe stand der Cholatse mit seinen 3 markanten Graten vor uns. Der SW-Grat galt als unser Ziel, laut Beschreibung ein nicht allzu leichter Anstieg im Fels, Eis und Firn.
Nach weiteren 2 Tagen erreichten wir eine wunderschöne Wiese am Fuß des Berges, wo wir auf 4750 m unsere Basislagerzelte aufschlugen.

Aber schon am nächsten Tag rief uns der Berg. Der Anstieg über Moränenrücken und einen anschließend stark zerklüfteten Gletscherbruch, eine Miniausgabe des großen Khumbu-Eisbruches am Everest war ein Genuss. Eine bis zu 50 Grad steile Firnflanke, die uns zum Sattel auf 5630 m führte, versicherten wir mit Fixseilen, bevor wir wieder ins Basislager abstiegen. Nun endlich nach 8 Tagen durften wir das erste Mal ausruhen und uns einen Erholungstag genehmigen.

Unsere Nepalimannschaft hatte wie auch wir große Ehrfurcht vor dem Berg. „We hope, your technique and your equipment are the best, because the mountain is very steep and difficult, but you are very strong climbers“, mit diesen Worten und einem guten Kuchen ermunterten sie uns zum nächsten Arbeitsgang am Cholatse.
Wir kletterten wieder los, hinauf ins Lager 1. Dort vermaßen Helli und Stephan mit „Hightechgeräten“ den besten Zeltplatz am Sattelplateau, während ich den Felskopf mit Fixseilen begehbar machte. Helli und Steph schafften es, auf einem großen Lagerplatz das Zelt genau auf der Stelle zu fixieren, wo Stunden später der einzige Schatten am Sattel lag, (vermutlich wollten sie es uns im Zelt nicht zu warm machen!?!, wir sind ja zum Bergsteigen da).

Am folgenden Tag klettern wir über den Felskopf im oberen 4. Schwierigkeitsgrat höher und betraten einen Firngrat, - steil, ausgesetzt und Richtung Himmel führend. Nach Erkundung der Schwierigkeit dieser Himmelsleiter kehrten wir auf einer Höhe von ca 5800 m um und stiegen ins Basislager zu einem weiteren gemütlichen Rasttag ab. Schlafen, gut essen, Körperpflege und das Zurechtlegen einer geeigneten Taktik war angesagt. Wir sind entsprechend akklimatisiert und die bergsteigerische Schwierigkeit bietet eine große Herausforderung- Cholatse wir sind gerüstet und kommen!!
Schon am 9. November, kaum 1 Woche seit Erreichen des Basislagers versuchen wir unseren 1. Gipfelgang. Bei herrlichem Wetter stiegen wir durch den Gletscherbruch ins Hochlager auf. Nach einer guten französischen Zwiebelsuppe mit Gemüse, Speck und Käse bereiteten wir uns auf die Nacht vor.

Um 2 Uhr heißt es Kaffeekochen und anziehen, die Sterne stehen nicht nur am Himmel, sondern auch gut für uns. Es ist stockdunkel, ehe wir um 3 Uhr dem Schein derStirnlampe folgen und über den Felskopf klettern. „Anstrengend ist es schon, in einer solchen Höhe und auch noch bei Dunkelheit zu klettern“ höre ich von meinen Kollegen. Das unrythmische Steigen kostet sehr viel Kraft, wir sind jedoch sehr motiviert und steigen Meter für Meter, Seillänge für Seillänge höher. Steile, teilweise senkrechte Firn und Schneepilze überklettern wir, ehe wir nach ca 4 ½ Stunden den Gipfelgrat erreichen und die ersten Sonnenstrahlen unsere Gesichter erwärmen.Es tut gut, wenn die Sonne blendet und in die eiskalten Hände und Füße wieder Gefühl kommt.

Der weitere Gipfelgrat ist zwar nicht mehr so steil, aber trotzdem extrem ausgesetzt. Rechts 1300 m, links 1250 m Luft unter den Füßen - man würde sich die Seite nicht allzu sehr aussuchen müssen.

Wir kommen dem Gipfel näher und nach der nochmals sehr anstrengenden und steilen Gipfelflanke erreichen wir um 10.30 Uhr den höchsten Punkt des Traumgipfels Cholatse. Von unseren Gefühlen überwältigt fallen wir uns in die Arme und gratulieren uns gegenseitig. Wir genießen bei Windstille und angenehmen Temperaturen die Gipfelsicht auf Cho Oyu, Pumori, Everest, Lhotse, Nuptse, Makalu und Ama Dablam, Gipfel ohne Ende….

Ich ermahne jedoch bald zum Aufbruch, ein langer und gefährlicher Abstieg steht uns bevor. Die Sonne hat den Schnee im Grat aufgeweicht und macht das Abklettern noch schwieriger. Er erfordert gute Klettertechnik und gutes Seilhandling, Seillänge für Seillänge wird abgeseilt und abgeklettert, es gelingt uns, vom Berg bis ins Hochlager ohne Zurücklassen von Seilen oder Verankerungen abzusteigen.
Müde und Erschöpft erreichen wir das Zelt, raffen uns nochmals auf, bauen auch das Hochlager ab und steigen mit schweren Rucksäcken weiter in Richtung Basislager ab. Bei Einbruch der Dunkelheit gelangen wir an den Gletscherrand und sind überglücklich, als wir die zwei Stirnlampen unserer Nepalis Bir und Lotsang sehen, die uns zu Hilfe kommen. Mit einem Spezialkuchen werden wir von unserem KochBiru empfangen. Die Mannschaft freut sich sehr, mit uns die erfolgreiche Gipfelbesteigung feiern zu können. Es ist schön, wenn man sieht, wie sich Freunde mit dir über ein Erfolgserlebnis mitfreuen, wie sie während der Besteigung mitfiebern, wie sie bei einem Misserfolg mitleiden.

Müde und glücklich schlafen wir in unseren Schlafsäcken ein, in Gedanken wird wohl jeder von uns nochmals am SW- Grat des Cholatse klettern.

In den letzten Tagen in Nepal wanderten wir gemütlich das Tal hinaus nach Lukla. Kopf und Blick drehten sich um, solange man den Berg sehen konnte, der Abschied war schwer.
Unser Nepal-Neuling Stephan konnte seine 1. höhere Bergfahrt mit einem grandiosen Gipfelsieg krönen und auch Helli konnte ein großes Ziel erfolgreich beenden.
Für mich ist der Abschluss einer Trilogie mit Pumori und Ama Dablam geglückt, 3 Berge, 3 Grate, 3 Gipfel - für einen Bergsteiger ein erfüllendes Gefühl.
Das Ziel, die gemeinsame Besteigung eines sehr schönen und schwierigen Berges konnte erreicht werden, aber vor allem konnten wir alle drei gesund und munter in den Flieger Richtung Heimat steigen und sagen: „ Es war eine sehr schöne und kameradschaftliche Zeit in Nepal, wir werden wiederkommen….“

Namaste

Stefan Jungmann
Leiter der Alpinen
Einsatzgruppe Landeck,
Bergführer

    


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