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Halbseil bei Eistouren ?
Am 15. April 2007 durchstiegen zwei tschechische Bergsteiger die Pallavicinirinne am Großglockner. Sie stiegen um 02.00 Uhr von der Kaiser Franz Josef Höhe zum Einstieg der Rinne auf. Gegen 14.00 Uhr gelangten die beiden im oberen Drittel der Rinne zum Blankeisbereich. Bis dorthin kletterten sie über eine Schneeauflage. Die Müdigkeit machte sich bemerkbar und sie versuchten über felsiges Gelände auszuweichen. Der Vorauskletterer, ein Arzt, wurde von seinem Partner, einem 30jährigen Programmierer aus Tschechien, über eine Köpflschlinge gesichert. Plötzlich stürzte der Arzt aus ungeklärter Ursache so in eine Rinne, dass das Seil vom Stand nach oben über einen Block und dann in die Rinne führte. Dadurch kam es zu einer Kantenbelastung und damit zum Seilriss. Der Arzt stürzte ca. 300 Meter bis zum Rinnenauslauf ab und erlitt tödliche Verletzungen. Die Art der Sicherung konnte nicht erhoben werden. Das ausgegebene Seil (ohne Zwischensicherung) betrug ca. 10 bis 15 Meter.
Der Programmierer konnte geschockt vom Hubschrauber geborgen werden.
Das Seil:
TENDON 7,8 mm MASTER; Fa LANEX, Bolatice, CZ
erfüllt laut Kennzeichnung die Normen für ein Halbseil und ein Zwillingsseil.
Produktion 2006/Design 2007 (Produktionszeitraum August – Dezember 2006);
Prüfung: 16 gehaltene Stürze für die Zwillingsseilprüfung (Normsoll 12)
6 gehaltene Stürze für die Halbseilprüfung (Normsoll 5)
Untersuchung der Fa LANEX:
Das gerissene Seilstück wurde sichergestellt und von der Fa LANEX untersucht. Das Seil wies deutliche Schmelzspuren auf. Der Seilverlauf über einen Block und der Bremsversuch führten zu einer Erwärmung des Seils auf mind. 220 Grad C. Mit dieser Erwärmung wurde das Seil in seinem Gefüge so stark beschädigt, dass es bei der Kantenbelastung schließlich gerissen ist.
Resümee:
Als erster Punkt stellte die Firma LANEX fest, dass die einsträngige Anwendung in dieser Kletterei eine Fehlanwendung ist. Leider ist nicht bekannt, ob der Sichernde vom Fixpunkt oder vom Körper gesichert hat und was für ein Sicherungsgerät in Verwendung stand. Die Beschädigungen auf dem Seilstück verlaufen über eine Länge von 2,30 Meter, was doch eher auf eine dynamische Sicherung schließen lässt.
Was bleibt ist die nüchterne Feststellung, dass die Verwendung des Halbseiles im Einzelstrang bei Eistouren zu gefährlich ist. Bereits im Jahre 2006 kam es in der Pallavicinirinne zu einem Seilriss eines Halbseiles, wobei ein über dem Standplatz aus dem Eis herausragender Felsblock genügte, das Seil abzuscheren. Eistouren in den Alpen ohne Felskontakt gibt es praktisch nicht mehr. Dennoch sieht man immer wieder Kletterer, die aus Gewichtsgründen ein nicht akzeptables Risiko in Kauf nehmen.
So angenehm das geringere Gewicht auch ist, die Vorfälle zeigen mehr als deutlich, dass die Verwendung eines Halbseiles im Einzelstrang für Eistouren nicht geeignet ist.


ungefährer Standort des Seilzweiten
Untersuchungsbericht der Fa. LANEX (ca. 2.1 MB)
Josef Bierbaumer
LPK für Kärnten
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