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Eiskletterunfall Harald Berger
Es verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der Szene. Harald Berger war tot. Gestorben bei einer Tätigkeit, für die er gelebt hatte. Insgesamt dreimal hatte er zuvor den Eiskletterweltcup gewonnen. In den Jahren 2003 bis 2005 wurde Berger dreimal Eiskletterweltmeister. Doch nicht nur das, er kletterte auch im Fels bis in den Grad 8b+. Im Mixedgelände beherrschte der sympathische Sportler die Höchstschwierigkeiten. Doch was war geschehen?
Am 20.12.2006 fuhr Berger mit zwei Freunden nach Hintersee, dass nur eine gute Fahrstunde von seinem Wohnort im salzburgschen Elsbethen entfernt war. Er wollte nicht so weit wegfahren, da seine Freundin hochschwanger zu hause saß und es jederzeit losgehen konnte. Sie entschlossen sich, in der so genannten Eiskapelle im Grießbachgraben zu trainieren. Bei der Eiskapelle handelt es sich um drei Eis- bzw. Firnfelder, welche durch Lawinenabgänge im Winter gebildet werden und meistens den Sommer überdauern. Begünstigt durch die gute Schneelage im Winter 2005/2006 und dem schlechten Wetter im August, waren die Lawinenkegel besonders ausgeprägt. Diese Lawinenreste sind durch Tunnel unterhöhlt. Es entstehen je nach Verhältnisse dadurch senkrechte bis überhängende Wände, die zum Teil eine Höhe von 10 m erreichen.
Die drei Kletterer trainierten dabei an einem der Eisfelder, das sich ca. in einer Länge von 30 m den Hang leicht nach oben hinaufzog. Sie kletterten immer in Absprunghöhe hintereinander, wobei Berger immer vorkletterte und sie entlang des Eisfeldes traversierten. Gegen 14.00 Uhr wollten Berger und einer seiner Begleiter noch einmal die ganze Länge des Eisfeldes entlang klettern. Der Dritte im Bunde hatte mit dem Training bereits aufgehört und ging in einer Tunnelröhre nach unten. Berger kam kurz vor dem Ende des Eisfeldes zu Sturz, wartete bis sein Partner vorbeigeklettert war und stieg anschließend wieder in die Tour ein. Der zweite Kletterer wollte gerade auf das Eisfeld hinaufklettern. Er kletterte aus dem Übergang hervor in eine senkrechte Passage, als es plötzlich zu einem Riss kam und die ganze Statik des Eisfeldes kollabierte. Alle überhängenden Teile sowie der Tunnel stürzten auf einer Länge von ca. 30 m ein. Sowohl Berger als auch jener Kletterer, der gerade durch den Tunnel ging, wurden verschüttet. Im Tunnel stapelten sich die Eismassen so günstig, dass der dritte Mann leicht verletzt hinausklettern konnte. Berger wurde von einer 6x2x2m großen Firneisscholle gegen den Felsen gepresst und dabei erdrückt. Sein Partner stürzte ebenfalls zu Boden, wurde aber nicht verschüttet und blieb unverletzt. Er leitete die anschließende Bergungsaktion ein.
Doch wie konnte das geschehen? Um diese schwierige Frage zu beantworten habe ich den Glaziologen Dr. Heinz Slupetzky zu Rate gezogen. Er untersucht seit Jahrzehnten wissenschaftlich die Vorgänge in der Eiskapelle. In seiner Schlussfolgerung bzw. abschließenden Analyse weist er sofort darauf hin, dass die Frage des WARUM aufgrund der Seltenheit und Komplexität nicht befriedigend und schon gar nicht erschöpfend beantwortet werden kann. Als primäre Unfallsursache kommt vor allem die Instabilität durch die Abstützung des Geländebogens am Boden in Frage. Die Außenneigung der Firneiswand bzw. das Überkragen des Überhanges ist ein zweiter Einflussfaktor, lt. Dr. Slupetzky. Ähnlich einer Schneebrettauslösung dürfte ein einziger Schlag (hot spot im Firnfeld) zum Kollaps des Eisfeldes geführt haben. Im Gegensatz zu Lawinen gibt es hier keine Strategien, wie man sich verhalten kann bzw. ob dies vorhersehbar war. Bei der Unfallaufnahme konnten keinerlei Anzeichen von Schwachstellen im Firnfeld gefunden werden. Auch Probebohrungen mit Eisschrauben und Probeschläge mit dem Eispickel ergaben keine Rückschlüsse, wie man das ganze im Vorhinein hätte bewerten können. Die beiden Überlebenden gaben bei den Einvernahmen an, keinerlei Vorzeichen beim Klettern wahrgenommen zu haben.
Nach Abschluss der Erhebungen wurde das Verfahren von der Staatsanwaltschaft Salzburg eingestellt.
Noch in Nacht zum 21.12.2006 wurde von der Lebensgefährtin Berges eine Tochter zur Welt gebracht. Leider blieb es dem Vater verwehrt, dieses Wunder mitzuerleben.
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Unfallsstelle mit Abbrüchen
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Unfallsstelle mit Abbrüchen
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Diese Bild zeigt den Eisblock, unter dem Berger lag.
Eine Tiefe von 2 m, musste mit Kettensägen herausgeschnitten werden.
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Das Bild zeigt den Unfallsort ca 1 Monat vorher. Gut zu sehen sind dabei die Tunnels, die dann eingebrochen sind.
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Oliver Anzböck
Leiter der AEG Salzburg
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