News
Schwierige Bergung eines 16-jährigen Schülers am Ankogel
Ein 16-jähriger Schüler aus Tschechien fuhr am 26.03.2007 im Schigebiet Ankogel mit seinem Snowboard abseits der gesicherten Schipisten. Bei der letzten Fahrt gegen 15.45 Uhr fuhr der Jugendliche von der Bergstation der Ankogelbahn (2.626 m) in Richtung der so genannten Froschbretter. Diese steile, felsdurchsetzte und lawinengefährdete Abfahrt in Richtung Seebachtal endet an senkrecht abfallenden Felswänden.
Die Sicht zum Zeitpunkt der Abfahrt war aufgrund des starken Nebels sehr schlecht, weshalb die Gefährlichkeit des Geländes vom ortsunkundigen Burschen nicht erkannt werden konnte.
Sein Vater erstattete am 26.03.2007 um 16.50 Uhr die Anzeige über die Abgängigkeit seines Sohnes David beim Pistendienst der Ankogelbahn. In weiterer Folge wurde die PI Mallnitz verständigt.
Bei den weiteren Erhebungen konnte vom Pistendienst der Ankogelbahn eine einzelne Snowboardspur in das oben beschriebene gefährliche Gebiet festgestellt werden.
Die Lawinensituation am 26.3. ergab laut Lagebericht des Lawinenwarndienstes Stufe 3 – erhebliche Lawinengefahr.
Die Spur des Schülers führte durch einen über 40 Grad steilen Hang, der anfangs befahrbar aussieht, jedoch nach ca 500 Höhenmetern in einem Felsabbruch endet. Nachdem die Snowboardspur gesichtet werden konnte, entschieden die Einsatzkräfte aufgrund der akuten Lawinengefahr ihr nicht zu folgen, da sonst die Mannschaft einer unnötigen Lebensgefahr ausgesetzt gewesen wäre. Vom Seebachtal führt ein Steig zu den Felsabbrüchen, über den man relativ nahe an die lawinengefährdeten Hänge herankommt. An diese Stelle sollte eine kleine Mannschaft aus Alpinpolizisten und Bergrettern mit dem Hubschrauber gebracht werden, damit sie den im Nebel befindlichen Suchbereich näher kommen.
Der Schüler stieg, nachdem er die Ausweglosigkeit seiner Situation erkannte, entlang seiner Abfahrtsspur wieder auf. Das Aufsteigen bedeutet aber auch eine weit höhere Auslösewahrscheinlichkeit einer Lawine. Er befand sich aufgrund der Steilheit und der Lawinensituation in einer lebensgefährlichen Lage.
Der Polizeihubschrauber mit AbtInsp Johann PLETZER als Pilot und BezInsp Manfred STEINWENDER als Flight Operator konnte aufgrund der äußerst schlechten Witterungsverhältnisse (Nebel und Schneefall) vorerst keinen Suchflug im unmittelbaren Einsatzgebiet durchführen. Statt dessen gelang es aber, die Bergrettungsmänner STEINER Viktor und MAIR Heinz der Ortsstelle Mallnitz und den Bergrettungsarzt Dr. RAUTER Roland der Ortsstelle Villach, sowie die Alpinpolizisten der AEG Spittal/Drau, KOHLMAIER Armin, BRANDNER Josef, WEGER Hannes, unterhalb der Nebelgrenze auf ca 1.700 m Seehöhe zu fliegen, um die Suche nach dem Schüler aufzunehmen.
RevInsp Armin KOHLMAIER und der Bergrettungsmann Heinz MAIR aus Mallnitz starteten als Erste vom Zwischenlandeplatz im Bereich der Froschbretter in die lawinengefährdeten Hänge. Man musste davon ausgehen, dass eine Bergung durch den Hubschrauber aufgrund der Witterung nicht möglich sei. Die beiden stiegen ca. 500 Meter auf und konnten erstmals Rufkontakt mit dem Abgängigen herstellen.
Von ihrem Standort aus waren sie auch in der Lage, dem Piloten die Lage der Nebelbänke, die rings um den Abgängigen umherzogen genau bekannt zu geben. Vom Tal oder vom Zwischenlandeplatz war dieser Bereich nicht mehr einzusehen. Sie leisteten daher einen wesentlichen Beitrag zur Rettung des Schülers.
Beim letzten Anflug ins Einsatzgebiet, lichtete sich der Nebel kurz und es konnte die Aufstiegsspur des Tschechen gesichtet werden. AbtInsp PLETZER gelang es, den Hubschrauber bei sehr schlechten Sichtbedingungen der Spur entlang bis zum Standort des Schülers zu manövrieren.
Die hereinbrechende Dunkelheit verhinderte eine dem Gelände angepasste Bergemethode (Seilbergung). Nach der dafür erforderlichen Zwischenlandung wäre es bereits zu dunkel gewesen.
AbtInsp PLETZER entschied sich mit dem Flight Operator BezInsp STEINWENDER auf eine unkonventionelle Bergemethode. Der Schüler sollte im Schwebeflug an Bord genommen werden. Aufgrund der Steilheit des Geländes waren eine Landung und auch ein Abstützen des Hubschraubers nicht möglich.
Im Neuschnee entsteht durch den Rotorabwind ein so genannter „White Out“ Effekt: Der Schnee wird hoch gewirbelt und durch den Rotor von oben wieder angesaugt. Durch diesen Effekt befindet sich der Hubschrauber in einer weißen Glocke und ohne Bezugspunkt im Gelände würde es unweigerlich zum Absturz kommen (Absturz eines privaten Rettungshubschraubers vor einigen Jahren im Schigebiet Ischgl, nachdem der Einweiser davonrannte; der Pilot verlor damit seinen Bezugspunkt und stürzte ab).
AbtInsp PLETZER nahm zur Rettung des Schülers das Risiko in Kauf und schwebte langsam zum Abgängigen. Aufgrund der Steilheit des Geländes konnte er sich mit dem Hubschrauber nur so weit nähern, dass der Schüler mit ausgestreckten Armen gerade noch die Kufen erreichen konnte. BezInsp Manfred STEINWENDER öffnete die hintere Schiebetüre und beugte sich weit hinaus, um die Hände des Schülers fassen zu können. An der Sitzbank gesichert, gelang es ihm schließlich den Abgängigen an den Händen in den Hubschrauber zu heben. Nach dieser spektakulären Bergung konnte schließlich auch noch die Einsatzmannschaft sicher mit dem Hubschrauber wieder ins Tal gebracht werden.
Durch die umsichtige Einsatzleitung durch GrInsp Horst WOHLGEMUTH und AbtInsp Bruno MAIERBRUGGER konnte die Gefährdung der Einsatzmannschaft genau abgewogen und auf das unbedingt notwendige Maß reduziert werden.
Der Schüler blieb unverletzt.
Impressionen |

Nur durch die gute Ausleuchtung des Landeplatzes durch die Einsatzkräfte der Feuerwehr und der Polizei konnte der Einsatz noch erfolgreich abgeschlossen werden.
|

Nur durch die gute Ausleuchtung des Landeplatzes durch die Einsatzkräfte der Feuerwehr und der Polizei konnte der Einsatz noch erfolgreich abgeschlossen werden.
|

Erst bei völliger Dunkelheit gelang es dem Piloten, den Schüler und die letzten Einsatzkräfte wieder ins Tal zu bringen.
|

Erst bei völliger Dunkelheit gelang es dem Piloten, den Schüler und die letzten Einsatzkräfte wieder ins Tal zu bringen.
|

Dichter Schneefall und Nebel erschwerten den Einsatz
|
|
Josef Bierbaumer
zurück zur Übersicht