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Jährliche MTB-Tour der Tiroler Polizeibergführer
Irgendwann zwischen dem letzten Schneefall des vergangenen Winters und dem ersten Schneefall der neuen Saison, also Ende August/ Mitte September eines jeden Jahres, ergeht der Ruf an die Bergführer des Landes Tirol zu einer zwei-tägigen MTB-Tour. Zweck derselben ist nicht die Förderung des Sprachverständnisses durch das Gewöhnen an die einzelnen Dialekte der diversen Talschaften, sondern auch die Ausweitung des Horizontes dieser Gattung von Älplern, ein Horizont der – geografisch bedingt - recht oft bei den eigenen Bezirksgrenzen endet.
Diesmal war der Bezirk Reutte dran. Unter Berücksichtigung, dass auch drei leitende Bea älteren Semesters sich hineinreklamiert hatten in die Phalanx der „Jungen Wilden“, erstellte unser Walter Schimpfössl ein humanes „low level“- Programm mit Tagesetappen zu je etwa 100 km und je knapp 2.000 Höhenmetern. Leider fühlten sich einige der Bergführer mit diesen Softvarianten offenbar zu wenig gefordert. Sie überließen diese Ausflugsfahrten somit dem Jungpensionisten Georg Rainer, den Altaktiven Josef Bodner und Norbert Zobl sowie den übrigen weithin bekannten „Weicheiern“ Erich Ladstätter, Walter Schimpfössl, Stefan Jungmann und Johannes Czech.
Bei strahlendem Spätsommerwetter nahm dann dieses Konglomerat aus den verschiedensten Teilen Tirols von Breitenwang bei Reutte die Runde durch den Außerfern auf – so heißt diese Gegend bezeichnenderweise. Zäune und Gatter, die sich in den Weg stellten, wurden je nach Alter der Teilnehmer mit verschiedenen Techniken bewältigt – zum Teil recht interessant.
Ehe man sich´s versah, stand die Truppe auch schon im Hof des Schlosses Hohenschwangau und genoss diese Bilderbuchgegend mit Ausblick auf das nur ein paar Steinwürfe entfernte Schloss Neuschwanstein des „Märchen“-Königs Ludwig II. Dass wir inzwischen unbemerkt nach Deutschland eingesickert waren, ist eine nur logische Folge der EU - warum auch haben sie die Grenzen abgeschafft?! Während der anschließenden Kurbelei durch die bayrischen Lande ermahnte uns der durch seine Funktion als stellvertretender Landespolizeikommandant inzwischen zumindest trilateral denkende Brig Norbert Zobl, dass man sich als anständiger Gast den Sitten des Gastgeberlandes anzupassen habe. Wir verstanden: Da eine „richtige“ Weisswurst ja keine Mittagsglocken mehr hören darf, musste – um nicht als integrationsunwillig zu erscheinen – aus Respekt gegenüber dem Gastgeberland dieser Verpflichtung umgehend nachgekommen werden. In Pfronten entledigten wir uns derselben, wobei wir - in dem dem Österreicher innewohnenden vorauseilenden Gehorsam - auch noch ein, zwei bayrische Bier hinunterwürgten – igitt!!!
Zum Ausgleich würgten wir dann – oh Gott – hinauf auf die Bärenmoosalm, wobei sich der bayrische Gerstensaft als besonders schweißtreibend herausstellte.
Nach der Abfahrt nach Grän waren die Körper wieder entschlackt. Schon während der Vorstellung des großartigen Bergpanoramas durch Walter, bei dem ihm der eine und andere Geheimtipp in geradezu erpresserischer Weise entrissen wurde, scharrten die meisten schon wieder ungeduldig mit den Hufen, um noch mehr von dieser großartigen Gegend zu erspähen. Über den „Katzensteig“ genannten Forstweg arbeiteten wir uns wieder auf eine ordentliche Höhe hinauf. Um dem gewohnten nachmittägigen Büroschlaf während des monotonen Bergauf-Pedalierens vorzubeugen, hatte Hannes Czech in dankenswerter Weise sich zu Mittag in einem Radl“shop“ in Pfronten im Zuge einer kleinen Schaltungsjustierung gleichzeitig ein unüberhörbares Knattergeräusch einbauen lassen, das nach gemahlenen Zahnrädern klang und einem den kalten Schauer über den Rücken jagte.
Nach der Abfahrt in das idyllische Tannheim hatte unser Guide Walter noch ein weiteres Schmankerl parat: Die Bewältigung der schluchtigen Geländestufe hinunter zum breiten Lechtal erfolgte über den wildromatischen Gaichtpass. Dies ist eine teils in den Fels eingehauene Steinstraße, die schon vor knapp 500 Jahren erbaut worden war und dem Austausch von Salz und Wein zwischen Nord und Süd diente. Bei der anschließenden Rückfahrt nach Reutte war unser Tempobolzer, der gute Erich, dann – allerdings keineswegs überraschend - am Ende. Da er das durchaus humane Tempo der Truppe nicht mehr halten konnte, begann er dauerzutelefonieren unter dem scheinheiligen Vorwand, sein Polier habe Blödsinn gebaut.
Dass der Wein die Mühsal des damaligen Straßenbaus durchaus rechtfertigte, bestätigte sich dann auch abends in unserem Refugium, dem empfehlenswerten Hotel „Moserhof“ in Breitenwang.
Am zweiten Tag stand der östliche Teil des Außerferns auf dem Plan. Dass unser 63-jähriger Jungpensionist Georg Rainer sich bestens akklimatisiert hatte war daran erkennbar, dass er dann die anspruchsvolle Auffahrt in die einsame Wildnis des Rotlechtales in dem für ihn typischen Rodeostil bewältigte, indem er den Stier...äh, sein MTB, gnadenlos bergauf trieb.
Plötzlich tauchten wie aus dem Nichts Häuser auf. Mit sicherem Instinkt wurde ein Gasthaus angefahren, welches sogar eine eigene Bierbrauerei hatte – also: Zufälle gibt es…!
Die Abfahrt von Berwang nach Bichlbach auf bester Asphaltstraße ließ den Tempofreaks unter uns die Herzen höher schlagen. Dies aber leider nur kurz, denn schon jagte uns Walter wieder durch die Prärie. Beim zweiten 500-Hm-Anstieg des Tages verzeichnete Josef Bodner verdächtig viele Stopps, von ihm vergeblich getarnt als angebliche Fototermine.
Als dann Walter auf der Tuftl-Alm die Katze aus dem Sack ließ und uns weitere Anstiege präsentierte in Richtung des beeindruckenden Zugspitzenmassives, zog es Norbert Zobl vor, sich eines wichtigen Termines zu erinnern – und war dahin.
Nach toller Abfahrt mit ständigem Blick auf die Zugspitze und das ihm zu Füßen gelegene Ehrwald, vertschüsste sich dort dann auch noch Erich Ladstätter, der vorgab, über irgendwelche Almen und Ähnliches direkt heim nach Seefeld zu fahren.….tssss?!
Die solchermaßen dezimierte Truppe nahm dann den dritten 500 Hm-Anstieg in Angriff. Der Schraubenhäckselantrieb des Hannes – lautstärkemäßig jeweils abhängig von der Steilheit und dem damit verbundenen Kraftaufwand – hielt mein sensibles Gehör nicht mehr aus und so ließ ich mich zurückfallen (klingt doch gut, oder?) Dass Hannes, Stefan und Walter sich während des Anstieges auf Thörlen so prächtig unterhielten, war offensichtlich darauf zurückzuführen, dass sie nicht nur in ihren Trinkflaschen künstlichen Sauerstoff hatten sondern auch den in ihren MTB´s im Sattelrohr verborgenen Elektromotor aktiviert hatten.
Nach der High-speed-Abfahrt zum wunderschön gelegenen Eibsee waren wir alle ganz auf Kaffee und Kuchen eingestellt. Na sagen wir: Fast alle – denn Stefan Jungmann, hielt es eher mit der Romantik, wie aus den schmachtenden Worten zwischen ihm und der Wirtin zu entnehmen war….ja, ja, der Mensch lebt nicht vom Brot allein.
Entlang der Loisach näherten wir uns dem Plansee, wo wir auf einer Cafeterrasse eine Evaluierung der vergangenen 2 Tage durchführten – um einen vertrauten dienstlichen Ausdruck zu gebrauchen.
Sie fiel so positiv aus, dass wir spontan und einstimmig beschlossen, diese Tradition auch im kommenden Jahr fortzusetzen. Auf diese Weise erhielt der AEG-Leiter des Bezirkes Lienz ohne dessen Anwesenheit, Wissen und Einverständnis die ehrenvolle Aufgabe, die Tour im Jahre 2007 in Osttirol zu organisieren.
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