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Erfolgreiches Expeditionsjahr 2006 für Herbert Wolf der PI Bad Ischl

Der  erfolgreichen Besteigung des 8.000ers Cho Oyu im Frühjahr folgte im Spätsommer ein Gipfelerfolg am Großen Trango Tower, 6.286 m, in Pakistan

Cho Oyu – 8.201 m

Nachdem im heurigen Jahr meine geplante Expedition zum Dhaulagiri, 8.167 m, in Nepal auf Grund von Teilnehmermangel abgesagt werden mußte, änderte ich meine bereits gefassten Pläne kurzfristig. Erst 12 Tage vor Expeditionsbeginn konnte ich mich noch einer internationalen Expedition zum Cho Oyu – 8.201 m anschließen. Bereits 1998 stand ich auf dem Gipfel des sechsthöchsten Berges der Erde und sammelte dabei meine ersten Erfahrungen, sowohl in der absoluten Todeszone, als auch über 8.000 m. Und so war ich schon gespannt wie die Erlebnisse am selben Berg 8 Jahre später sein werden. Reicher an Erfahrungen der letzten Jahre: Darunter Gipfelerfolge auf den 8.000ern Cho Oyu, Shisha Pangma und Nanga Parbat, den schwierigen 6.000ern Ama Dablam, Shivling und Denali. Aber auch dasScheitern auf den 8.000ern Makalu und Gasherbrum II.

So starteten wir schließlich Anfang April zu einer 43-tägigen Expedition in das Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet. Als Expeditionsleiter war ich diesmal mit einem sechsköpfigen Team, mit Bergsteigern aus Deutschland, Italien und Österreich unterwegs. Geplant war im Wesentlichen der Aufstieg über die Route der österreichischen Erstbesteiger aus dem Jahr 1954, der NordWestFlanke. Diese Route wich von meiner damaligen Aufstiegsroute ab dem Hochlager 2, auf 7.200 m, ab.

Der Cho Oyu, direkt an der nepalesisch-tibetischen Grenze gelegen, ist der meistbestiegenste 8.000er.

Gründe dafür gibt es genug: Zum einen ist er sehr günstig gelegen – bis zum unteren Basislager- 4.900m- kann mit Jeeps gefahren werden. Zum Zweiten gibt es eine klare übersichtliche Aufstiegsroute mit einigen technisch interessanten Passagen.

Nachdem die Anreise planmäßig verlaufen war, stoppten uns heuer heftige Schneefälle erstmals beim Aufstieg ins ABC-Lager (Advanced Base Camp), sodass wir dieses mit einer riesigen Yakkarawanne mit 4 Tagen Verspätung erreichten – 5.700m.

15 Tage benötigten wir ab dem Erreichen des ABC-Lagers um uns zu akklimatisieren, das heißt unsere Körper an die Höhe zu gewöhnen und die Hochlagerkette einzurichten. Nachdem die Hochlager auf 6.300 m und 7.200 m eingerichtet und auch dort genächtigt, die heikelsten, absturzgefährdetsten Passagen mit Fixseilen abgesichert worden waren, starteten wir am 7.Mai zum Gipfel hoch. Nach einem weiteren Hochlager auf 7.400 m konnte ich gemeinsam mit 2 Teamkollegen am 10.Mai, gegen 14.00 Uhr, bereits zum zweiten Mal, am Gipfel des Cho Oyu stehen. Natürlich wie immer ohne Zuhilfenahme von zusätzlichem Sauerstoff. Leider verhinderten diesmal Wolken eine Sicht zum nur 30 km entfernten höchsten Berg der Erde, dem Mount Everest. Doch ließen wir uns dadurch unsere Gipfelstimmung nicht verderben. Nach etwa 30 Minuten am Gipfel und einigen Fotos stiegen wir wieder bis ins Hochlager 3 ab, wo wir auf Grund aufkommenden Schneesturms nochmals nächtigen mussten und am Folgetag, nach dem Abbau sämtlicher Hochlager, glücklich das ABC Lager erreichten.

Planmässig erreichten sämtliche Teilnehmer wieder gesund und heil die Heimat.

Großer Trango Tower - 6.286m, Pakistan

Ein absolutes Expeditions-Highlight war im August des heurigen Jahres der „Great Trango Tower“, der höchste Berg der Trango Türme, einer Gruppe von imposanten Felstürmen in unmittelbarer Nähe der mächtigen 8.000 m hohen Eisriesen des Karakorums.

Im Vorjahr, beim Anmarsch zum 8.035 m Gasherbrum II, erblickte ich die „Schwinge des Adlers“, so die Einheimischen über die Trango Gruppe, erstmals und seit diesem Zeitpunkt war ich von diesem alles überragenden Felsturm fasziniert.

Mit im 10-köpfigen internationalen Expeditionsteam war diesmal auch Gerhard Rad der PI Attnang und „Alpinkollege“ der AEG Gmunden.

33 Tage veranschlagten wir für diese Expedition und gebannt erreichten wir nach 7 Tagen Anreise und Anmarsch das Basislager auf 4.000 m Höhe, malerisch an einem kleinen See gelegen, direkt unterhalb der steilen Felswände des Großen Trango Tower. Erstmals hatten wir keine Erfahrungswerte über Aufstiegsroute und Hochlagerplätze. So stiegen wir mehrmals, um uns zu akklimatisieren und Material hochzubringen, erst in losem Geröll, danach über steile Felsplatten bis an den Gletscherrand – 5.400 m, auf. Nach mehreren Akklimatisationsnächten in Hochlager 1 auf 4.900 m und dem Verlegen von Fixseilen im steilen Fels teilten wir unser Team in 2 Gruppen, um beim bevorstehenden Gipfelaufstieg am sehr steilen zerklüfteten Gletscher schnell und sicher unterwegs sein zu können.

So startete ich gemeinsam mit Gerhard und der ersten Gruppe am 24.August zum Gipfel. 6 Stunden Aufstieg vom Hochlager 2 in bis zu 70 Grad steile Eisflanken und einem Labyrinth durch den Eisbruch forderten uns einiges ab. Auch dichter Nebel erschwerte die Routenwahl erheblich und gönnte uns am Gipfel keinen Blick auf die benachbarten 8.000 wie K2, Broad Peak und Gasherbrum I und II. Aber dies tat der Freud keinen Abbruch, obwohl noch gehöriger Respekt vor dem bevorstehenden steilen Abstieg in uns war. Während Gerhard mit der ersten Gruppe, nach einem kurzen Aufenthalt am Gipfel, bis ins Basislager abstieg, verbrachte ich noch eine weitere Nacht im Hochlager 2 und stieg am Folgetag mit den Teilnehmern der zweiten Gruppe abermals erfolgreich zum Gipfel hoch. Diesmal erleichterten uns bessere Sichtverhältnisse und die bereits vorhandenen Fixseile den Aufstieg. Im Abstieg bauten wir sämtliches Fixiermaterial sowie die Hochlager natürlich wieder ab um am Berg nicht zu hinterlassen.

Nachdem sämtliche Teilnehmer das Basislager wieder gesund und erfolgreich erreicht hatten fand eine Gipfelfeier im großen Mannschaftszelt statt, mit Buffett, Musik und viel Spaß. Aber ohne Alkohol, den diesen zu besitzen oder zu konsumieren ist in Pakistan verboten.

Leider überschattet „mein“ erfolgreiches Jahr 2006 ein tödliches Ereignis ganz in der Nähe des Großen Trango Towers. Markus Kronthaler, ehemaliger Kollege des damaligen Gendarmeriepostens Kufstein, sehr erfahrener Expeditionsbergsteiger, Mitglied der AEG, staatl. gepr. Berg- u. Schiführer und Gendarmeriebergführer verunglückte im Juli des heurigen Jahres nach erfolgreicher Gipfelbesteigung tödlich am 8.047 m hohen Broad Peak im Abstieg. Gerne denke ich an die viel zu kurze gemeinsame Zeit zurück, an die vielen schönen Stunden und gemeinsamen Touren.

Berichte, Bilder und Infos – www.herbertwolf.at

Herbert Wolf

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