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News
Abenteuer Ama Dablam
| Eins, zwei, drei, vier, fünf.
Mehr Schritte schaffe ich einfach nicht. Ich muss schon wieder
stehen bleiben, den Kopf auf den Pickel gestützt, atmen,
atmen, erst langsam beruhigt sich mein Schnaufen und ich sehe
nach oben. Ein kleiner Einschnitt im Schnee des Gipfelgrates
markiert die Stelle, wo die Spur flacher wird und den Gipfel
erreicht. Ich sehe sie schon lange. Eins, zwei drei .... zehn,
mir ist schwindlig. Ich muss mich setzen, das war zuviel. Wie
lange ist es her, seit ich aufgebrochen bin, ich weiß es
nicht, es ist mir zu umständlich, auf die Uhr zu sehen,
ich müsste den Anorak hinter- und den Handschuh vorziehen.
Es trennen mich noch etwa 150 Meter von diesem Punkt, von dem
ich meine, es muss das Tor zum Gipfel sein. 150 Meter. Eins,
zwei drei..... |
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Der Plan
Im Jahr 2002 feiern wir
50 Jahre Alpine Einsatzgruppen der Gendarmerie, außerdem
das internationale Jahr der Berge, wir sind Gabi
Schluga aus Klagenfurt, Horst Wohlgemuth aus Mallnitz, Heribert
Patterer aus Waidegg, Emanuel Koschat aus Weizelsdorf, Gerhard
Mandl aus Gurnitz, Alfred Wieser, Andreas Schwarz, und ich aus
Ferlach - 4 Gendarmerie - Bergführer und alle Bergrettungsmitglieder,
all das zusammen ergibt ein Team, das sich die Besteigung eines
Traumberges zum Ziel gesetzt hat:
über den Südwestgrat
auf die Ama Dablam (6.856 m).
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Die Trekkingtour
Doch bevor es richtig losgeht
machen wir zusammen mit 10 weiteren Kameraden/innen, darunter
Sabine Hambrusch und Eva Oberwallner aus Ferlach, eine Trekkingtour
durch das wunderschöne Solu Khumbu Gebiet. Der erste Gipfel
sollte der 5.545 m hohe Kalar Pattar sein. Doch auch Wanderziele,
die keine eigenständigen Gipfel, sondern eher Aussichtspunkte
sind, haben ihre Tücken. Nur elf von uns erreichen den Gipfel.
Doch die Stimmung ist gewaltig. Um 09.00 Uhr sind wir oben, es
ist windstill, keine Wolke am Himmel. Wenn auf Bergeshöhn
erklingt gefühlvoll in die herrliche Umgebung; Everest,
Nuptse, Pumori, diese gewaltigen Berge sind beeindruckende Zeugen
dieser Szene. Die zweite Strophe geht schon härter, wir
haben Tränen in den Augen - weil es so schön ist..
Nach einer Stunde steigen wir
glücklich ab. |
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Der nächste Berg wird die erste
echte Probe:
Island Peak (6.189 m)
Im Basislager sind wir noch 14
Teilnehmer, Emanuel und Alfred hoffen in Dingpoche (4.300 m),
dass sie gesund werden, Marianne verträgt die Höhe
nicht und steigt mit Michael und drei Sherpas ab.
Das windige Basislager soll uns
nur für drei Tage sehen: Ankunft, Gipfeltag und Abreise. |
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Um 02.30 Uhr brechen elf Teilnehmer
bei bitterer Kälte auf, drei von uns bleiben im Lager -
sie fühlen sich nicht wohl. Langsam steigen wir im kargen
Licht der Stirnlampen über den staubigen Geröllhang
aufwärts und warten sehnsüchtig auf den Sonnenaufgang.
Am Gletscherbeginn ist es endlich
soweit, die ersten Strahlen wärmen unsere erfrorenen Glieder.
Zwei Hochträger sind vorausgeeilt und haben die vom Summit
Club montierten Fixseile kontrolliert. Bis zu deren Beginn verläuft
ein ausgetretener Pfad zwischen den offenen Gletscherspalten
empor. Keine Gefahr - wir müssen also nicht auf die etwas
zerstreute Gruppe warten. Jeder kann sein Tempo gehen. Mit Heribert
und Leo gehen wir neben den Fixseilen über die Flanke und
den Grat zum Gipfel. Der Blick in die Lhotse Flanke ist überwältigend.
Knapp 4000 m schwierigste Rinnen und Abbrüche - unvorstellbar.
Doch auch ein zweiter Gipfel bleibt in unseren Blicken hängen:
die Ama Dablam.
Wir warten noch bis Andi und
Sabine am Gipfel sind, dann steigen wir ab. Es ist windig und
kalt. Beim Abstieg begegnen wir noch Klaus, Eike und Gabi, auch
sie werden den Gipfel noch erreichen.
Vor dem Anstieg ins Basislager
entscheiden Alfred Wieser und Emanuel Koschat, die Expedition
abzubrechen, weil in den Rasttagen keinerlei Besserung ihres
Gesundheitszustandes eingetreten ist. Sie wandern mit der Trekkinggruppe
zurück. |
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Die Expedition
Jetzt bin ich hier, wo ich schon
immer sein wollte. Aber war es nicht doch zu früh, gleich
beim ersten Anstieg zum Lager 1 den Gipfel zu versuchen? Die
Anstrengung ist riesig, aber nach dem Verschnaufen fühle
ich mich eigentlich gut, also weiter. Ich versuche zwischendurch
mit jeweils zwei Atemzügen pro Schritt gleichmäßig
den ca. 55 Grad steilen Eishang höher zu klettern. Aber
auch so ist nach 10 Schritten wieder eine Pause fällig.
Pemba Gyalsen, ein Hochträger, der uns geholfen hat, ein
Zelt ins Lager 3 zu transportieren, ist konstant 30 m hinter
mir. Er kommt nicht näher, hat Probleme mit der Lunge. Auf
den letzten Metern vor dem Gipfel, hole ich bis auf einen alle
Bergsteiger ein, die heute von Lager 3 auf 6.400 m gestartet
sind. Sie haben sich herauf gezeltet. Mit Nächtigungen
in Lager 1, Lager 2, Lager 3, dann der Gipfel, wieder Lager 3
und Lager 1 dauert ihre Besteigung sechs Tage! |
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Eigentlich haben wir uns auf
schwere Klettermeter eingestellt. Klettern, Verankern von Fixseilen,
Absteigen ins Basislager und dann der Gipfelsturm.
Aber die kommerziellen Expeditionen
aus Neuseeland, Amerika und Polen haben uns die Arbeit abgenommen.
Der ganze Berg ist verkabelt, mehr als notwendig wäre. Doch
der Anstieg bleibt schwierig, die Kletterei ausgesetzt und steil.
Wir wollen versuchen, von Lager
1 zum Gipfel zu starten, setzen auf Zeit. Im Lager 3 nur ein
Zelt für den Abstieg - und es gelingt. Nach 6 Std und 45
Minuten stehe ich auf dem Platz meiner Träume. Es ist 13.00
Uhr und Pemba fällt mir in die Arme.
Im Lager 3 warte ich auf Andi
Schwarz, er kämpft sich noch bergwärts. Als er vom
Gipfel herunter kommt, ist es zu spät, um weiter abzusteigen,
wir schlafen oben. Es ist der 7. November, am nächsten Tag
erreichen Heribert Patterer und Horst Wohlgemuth auf dieselbe
sportliche Weise den Gipfel.
Mit Stefan Jungmann und Markus
Kronthaler stehen im Herbst insgesamt 5 Gendarmerie - Bergführer
auf dem Gipfel der Ama Dablam. Stefan sogar mit einer Aufstiegszeit
von 5 Std 30 Minuten. Doch die Zeit ist eigentlich sekundär,
was zählt ist das gewaltige Erlebnis, das der schwierige
Aufstieg auf diesen Traumberg bietet.
Senkrechte Felspassagen wechseln
mit steilen Eisaufschwüngen, der ganze Körper ist gefordert. |
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Am 9. November drehen Gabi Schluga
und Gerhard Mandl nach Lager 2 um. Langsame Seilschaften blockieren
den Weg und ein fehlender Rasttag wirkt sich auf die Kraftreserven
aus. Gerhard erkrankt schließlich und Gabis zweiter Versuch
erstickt im Lager 1 nach heftigen Schneefällen.
Trotzdem ist unsere Rechnung
aufgegangen, die Expedition erfolgreich. Gesundheitlich oder
wetterbedingtes Scheitern lässt sich nicht verhindern. Ein
unvergessliches Abenteuer mit vielen Eindrücken und Erlebnissen,
die es großteils erst zu verarbeiten gilt, gehört
uns und wird uns noch lange ein Lächeln ins Gesicht zaubern.
Sepp Bierbaumer, BezInsp |
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