Im Dezember 2003 führte Roland Mattle eine 13-köpfige Gruppe zum höchsten, sturmumtosten Schotterhügel Amerikas, den 6962 m hohen Aconcagua. Darunter auch 3 Gend-Alpinisten. Trotz anfänglich sehr schwieriger Witterungsbedingungen gelang ihm am 16.12.2003 nach einem Aufstieg ins Hochlager bei starkem Schneesturm der Gipfelsieg. Insgesamt neun der 13-köpfigend Bergsteigergruppe aus Vorarlberg konnten unter der fachkundigen Führung von Roland Mattle den Gipfel erreichen. Bei traumhaftem Wetter mit hunderten Kilometern Sicht und Windstille blieb er fast 4 Stunden auf dem Gipfel, wo sein langjähriger Begleiter und Freund Helmut Magreitter vom GP Lech ein Gipfelfoto mit der obligaten Gendarmeriekrawatte machen konnte.
Was geschah am Aconcagua und was wurde in den Vorarlberger Nachrichten als Weihnachtswunder dargestellt?
Der Aconcagua in Argentinien; zwar nur ein Schotterhaufen, bei Alpinisten aber trotzdem begehrt. Rund 4000 Alpinisten versuchen jährlich am Aconcagua ihr Glück. Der Anstieg ist vergleichsweise leicht. Eisige Kälte und heftige Stürme verlangen den Bergsteigern aber alles ab. Und zwingen sie nicht selten zur Umkehr.
Auch die Polin Anna, eine 39-jährige Botanikerin aus Zakopane träumt den Traum von der Besteigung. Im Dezember 2003 reist sie hinein in den Frühsommer. Zur gleichen Zeit rüstet der Himalaja erprobte Roland Mattle in Vorarlberg mit seiner Gruppe ebenfalls zum Aufbruch. Das gleiche Ziel wie die Polin Anna vor Augen.
Am 16.12.2003 war er da, der "Jahrhunderttag" wie Roland diesen Tag beschreibt. Tiefblauer Himmel, kilometerweit keine Wolke am Himmel. Während Gerhard Wittwer und Josef Schönher erst später ins Lager 3 aufsteigen, erreicht Roland Mattle mit 8 weiteren Alpinisten aus seiner Gruppe den Gipfel. Nach einem fast 4-stündigen Aufenthalt und genossenem Gipfelglück pur machen sie sich auf den Rückweg. Im Lager 3 treffen sie Wittwer und Schönher. Roland Mattle empfiehlt ihnen, das schöne Wetter zu nützen und weiter aufzusteigen. Die beiden ziehen los und die Mühe lohnt sich. Sie erleben einen Sonnenuntergang auf fast 7000 m Höhe. Dass sich nur knapp 50 Meter unter ihnen ein Drama abspielt, ahnen die beiden nicht.
Auch die Polin Anna will an diesem Tag zum Gipfel. Die Symptome einer beginnenden Höhenkrankheit ignoriert sie. Sie schleppt sich weiter, will unbedingt auf den Gipfel. Bis sie unterhalb des Gipfels zusammenbricht. Sie kann nicht einmal mehr um Hilfe rufen. Es ist 21.00 Uhr. Wittwer und Schönher steigen ab und stehen plötzlich vor der am Boden liegenden, lebensbedrohend, erkrankten Frau. Die beiden wollen helfen, doch Anna wehrt sich. Sie will nur noch schlafen. Und das bei Minus 30 Grad. Gerhard Wittwer und Josef Schönher heben die Frau hoch und tragen und schleppen sie den Berg hinab bis zum Lager 3, wo sie bereits von den besorgten Kameraden erwartet wurden. Tee und Suppe wird gekocht. Damit wird Anna aufgepäppelt. Zusätzlich verdrückt sie eine halbe Packung Brot. Das erste seit drei Wochen, wie sie erzählt. Am nächsten Tag wird sie ins Basislager gebracht und in guter Verfassung den Park Rangers übergeben. Durch das Vertrauen von Roland Mattle an Wittwer und Schönher und ohne den beherzten Einsatz der beiden hätte Anna nicht überlebt. Darüber waren sich alle einig.
Derzeit ist Roland Mattle wieder in totaler Aufbruchstimmung. Am 22. April startet er mit einer größeren Gruppe in Richtung Nepal. Mit dieser Gruppe wird er ins Ralwaling-Gebiet wandern und auch zwei Trekkinggipfel (bis 6200 m - Pachermopeak) versuchen.
Der ÖGBV wünscht ihm bei seinen Unternehmungen Erfolg, alles Gute und allen eine gesunde Heimkehr.
Hans Schranz
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